RLT-Anlagen · DIN V 18599 Teil 7

RLT-Anlagen in DIN V 18599
Raumlufttechnik für NWG und Bilanzierung Teil 7

Raumlufttechnische Anlagen für Nichtwohngebäude: Komponenten, Aufbereitungsfunktionen, Bilanzierung in Teil 3 und Teil 7, SEC-Anforderung und VDI-6022-Inspektion.

Bilanzierung Teil 3 und Teil 7
SEC ErP-Anforderung
Kühlen und Entfeuchten im Sommer
VDI 6022 Inspektion
Zu den FAQ Beratung anfragen
Teil 3+7
Bilanzierung RLT
VDI 6022
Hygiene-Inspektion
SEC
ErP-Anforderung
25 % rF
Mindestfeuchte Büro
Einordnung

Was sind RLT-Anlagen und wann kommen sie zum Einsatz?

Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) sind Zentralluftanlagen, die die geförderte Luft nicht nur transportieren, sondern aktiv aufbereiten: Heizen, Kühlen, Befeuchten, Entfeuchten und Filtern. Sie kommen in Nichtwohngebäuden (NWG) ab einer bestimmten Raumgröße oder Nutzungsanforderung zum Einsatz – Büros, Hotels, Krankenhäuser, Schulen, Produktionsstätten.

Im Unterschied zu einfachen Lüftungsanlagen bilanziert DIN V 18599 den Energiebedarf von RLT-Anlagen in mehreren Teilberechnungen: Teil 3 erfasst den Nutzenergiebedarf für thermische Luftaufbereitung, Teil 7 ermittelt den Endenergiebedarf der Kälteerzeugung und den Strombedarf der Ventilatoren. Hilfsenergien (Pumpen, Befeuchtung) werden gesondert ausgewiesen.

Seit der ErP-Richtlinie müssen neue RLT-Aggregate mit mehr als 1.000 m³/h Nennluftmenge einen SEC-Wert (Specific Energy Consumption) nachweisen und eine Energieeffizienzklasse erfüllen. Diese Anforderungen sind bei der Auslegung und beim Ersatz von Bestandsanlagen zu beachten.

RLT-Anlage in einem Gewerbegebäude
Komponentenübersicht

Aufbau einer RLT-Anlage – Komponenten und Energieflüsse

In einer vollklimatisierten RLT-Anlage durchläuft die Außenluft mehrere Aufbereitungsstufen. Jede Stufe benötigt Energie und beeinflusst die Bilanz nach DIN V 18599.

🌬️
Außenluft­einlass
Wetterschutzgitter, Jalousieklappe
🔲
Filter
F5–F9 je Nutzung; Druckverlust überwachen
🔁
WRG
Platte, Rotor, Kreislauf; η = 70–85 %
🌡️
Heizregister
Vorheizung Winter; Wärmebedarf Teil 3
❄️
Kühlregister
Kühlung + Entfeuchtung Sommer; Teil 7
💧
Befeuchter
Dampf oder adiabat; Energiebedarf variiert stark
⚙️
Ventilator
Zu- und Abluft; SFP-Klasse bestimmend
🔲
Filter (Druckverlust)
50–150
Pa je Filterstufe
🌡️
Heizregister Winter
5–20
kWh/(m²·a) Wärme
❄️
Kühlregister Sommer
10–40
kWh/(m²·a) Kälte
💧
Dampfbefeuchter
0,6–0,8
kWh/kg Dampf
⚙️
Ventilatoren (Strom)
15–25 %
des Gesamt-Strombedarfs
DIN V 18599 Bilanzierung

Bilanzierung in Teil 3 und Teil 7

Die DIN V 18599 teilt die Bilanzierung von RLT-Anlagen auf verschiedene Teile auf. Ein konsistentes Zusammenspiel der Teilbilanzen ist Voraussetzung für einen belastbaren Energieausweis.

DIN V 18599 Teil 3 – Nutzenergiebedarf Luftaufbereitung

  • Thermischer Nutzenergiebedarf für Heizregister (Vorheizung)
  • Kühlbedarf für Kühlregister (sensibel + latent)
  • Befeuchtungsenergie (Dampf oder adiabat)
  • Zonenweise Bilanzierung je Lüftungszone
  • Witterungsabhängige Monatswerte

DIN V 18599 Teil 7 – Endenergie Kälte und Strom

  • Endenergiebedarf Kälteerzeugung aus Kühlbedarf (÷ SCOP)
  • Strombedarf Zu- und Abluftventilator (SFP × V̇)
  • Pumpenstrom für Heiz-/Kühlregister-Netz
  • Hilfsenergie Befeuchter gesondert erfasst
  • Primärenergiefaktor Strom = 1,8
Endenergie Kälte (vereinfacht) EKälte,End = QKälte,Nutz / SCOPKKM
EVent,End = SFP × V̇Gesamt × tBetrieb / 1000   [kWh/a]
Feuchteregelung

Befeuchtung und Entfeuchtung – Energiebedarf und Hygrenegrenzwerte

Die Feuchteregelung ist eine der energieintensivsten Funktionen einer vollklimatisierten RLT-Anlage. Winterbetrieb (Heizen + Befeuchten) und Sommerbetrieb (Kühlen + Entfeuchten) haben vollständig unterschiedliche Energiebedarfe.

Dampfbefeuchter (elektrisch)
0,6–0,8 kWh/kg
Hohe Betriebssicherheit, hygienisch unbedenklich (kein Stagnationswasser). Hoher Strombedarf – mit fP = 1,8 primärenergetisch teuer.
Adiabater Befeuchter (Wasser/Düsen)
0,03–0,05 kWh/kg
Sehr energieeffizient, kühlt die Luft gleichzeitig (adiabate Kühlung). Hygienerisiko: intensive Wartung, Legionellen-Prüfung nach VDI 6022 erforderlich.
BetriebsfallFunktionHygrenegrenzwertEnergetische Bedeutung
Winter (Heizperiode)Heizen + BefeuchtenMin. 25 % rel. Feuchte in BüroBefeuchtung: 1–5 kWh/(m²·a) je nach Anlage
Sommer (Kühlperiode)Kühlen + EntfeuchtenMax. 65 % rel. Feuchte in BüroKühlung + Entfeuchtung: 10–40 kWh/(m²·a)
ÜbergangsjahreszeitNur Lüftung25–65 % rel. Feuchte zulässigGeringer Energiebedarf, WRG nutzen
ErP-Richtlinie

SEC-Anforderung und Energieeffizienzklasse nach ErP

Was ist der SEC-Wert?

Der SEC (Specific Energy Consumption) beschreibt den Energieverbrauch einer Lüftungseinheit pro m³ geförderter Luft in Wh/m³. Für Non-Residential Ventilation Units (NRVU) mit mehr als 1.000 m³/h Nennluftmenge muss seit 2016 ein SEC-Grenzwert eingehalten werden.

Anlagen werden in Effizienzklassen eingeteilt, ähnlich dem Energieausweis für Gebäude. Die Klasse ist im Produktdatenblatt der Anlage ausgewiesen und muss bei der Auslegung berücksichtigt werden.

Auswirkung auf die Bilanz

Eine SEC-konforme Anlage weist zwingend eine Wärmerückgewinnung mit ausreichendem Wirkungsgrad auf. Damit reduziert sich der Heizwärmebedarf des Heizregisters erheblich.

In der DIN-V-18599-Bilanz wird der SEC-Wert nicht direkt verwendet, aber SFP und WRG-Wirkungsgrad – die entscheidenden Einflussgrößen – werden aus den Anlagenunterlagen übernommen und konsistent bilanziert.

Wartung & Inspektion

VDI 6022 – Hygienische Inspektion von RLT-Anlagen

  • Inspektionsintervall: Anlagen mit Befeuchter alle 2 Jahre, ohne Befeuchter alle 3 Jahre. Die Erstinspektion erfolgt nach Inbetriebnahme. Zertifiziertes Personal nach VDI 6022 Kurs A (Planung) oder B (Betrieb) ist Pflicht.
  • Prüfumfang Filter: Filterwechsel entsprechend Druckdifferenzmessung oder Zeitplan. Geprüft werden Filterklasse, Einbauzustand, Dichtheit der Filterrahmen und Kontamination. Ergebnis wird protokolliert.
  • Wärmetauscher und WRG: Sichtprüfung auf Verkeimung und Verschmutzung, Reinigung bei Bedarf. Rotationswärmetauscher: Dichtheitsprüfung Leckageklappe. Plattentauscher: Bypassfunktion kontrollieren.
  • Befeuchter: Höchstes Hygienerisiko. Inspektion umfasst mikrobiologische Probenahme des Befeuchterwassers, Reinigung und Desinfektion der Wanne und Düsen, Prüfung der Wasserqualität. Legionellennachweis dokumentieren.
  • Kanalabschnitte: Stichprobenweise Kanalinspektion auf Verschmutzung, Korrosion und Schimmelbefall. Reinigung nach VDI 6022 Teil 3 bei Befund erforderlich.
  • Betriebstagebuch: Alle Inspektionen, Filterwechsel, Reinigungen und Messwerte müssen dokumentiert sein. Das Betriebstagebuch ist Bestandteil der Fördernachweise und bei behördlichen Anfragen vorzulegen.
Optimierung

Maßnahmen zur Effizienzsteigerung von RLT-Anlagen

Ventilator-Upgrade

Austausch alter Riemenantriebe gegen EC-Direktantriebe. SFP von Klasse 4/5 auf Klasse 2 möglich. Amortisation: 3–5 Jahre.

WP-Integration

Kombination RLT-Anlage mit Wärmepumpe: Heizregister aus WP-Wärme, Kühlregister über WP-Kältebetrieb. Effizienz deutlich gesteigert.

Befeuchter wechseln

Austausch Dampfbefeuchter gegen adiabaten Befeuchter: Stromeinsparung bis zu 90 % für die Befeuchtungsfunktion.

GLT-Einbindung

Gebäudeleittechnik ermöglicht zeitgenaue Betriebssteuerung, Lastoptimierung und Ferndiagnose. Spart 10–20 % Betriebsstunden.

Prüfliste

Checkliste RLT-Anlage im Gebäudeaudit

RLT-Schema und Typenschilder aller Komponenten dokumentiert
SFP aus Einregelprotokoll oder Messung belegt
WRG-Wirkungsgrad aus Herstellernachweis oder Messung ermittelt
SEC-Anforderung nach ErP für Neuanlagen nachgewiesen
VDI-6022-Inspektionsprotokoll vorhanden und aktuell
Betriebstagebuch mit Filterwechseln und Messungen lückenlos geführt
Häufige Fragen

FAQ – RLT-Anlagen nach DIN V 18599

Ausführliche Antworten zu Kosten, Kombination mit Wärmepumpe, SEC-Wert und Filterwechsel.

Die Kosten der VDI-6022-Inspektion hängen stark von Anlagengröße, Anzahl der Lüftungsgeräte und Komplexität der Anlage (Befeuchter, Anzahl der Luftströme) ab. Für eine mittlere RLT-Anlage mit 5.000–20.000 m³/h Nennvolumenstrom sind typisch 800–2.500 Euro für die reine Inspektionsleistung zu veranschlagen. Kommen Reinigungsmaßnahmen hinzu (z. B. Kanalreinigung, Befeuchterdesinfektion), können sich die Kosten verdoppeln oder verdreifachen. Große Anlagen in Kliniken oder Industriebetrieben können erheblich höhere Kosten verursachen. Wichtig: Die Kosten für die Inspektion lassen sich steuerlich als Betriebsausgaben absetzen und können bei energetischen Sanierungsmaßnahmen ggf. förderfähig sein.

Ja, die Kombination ist energetisch sehr sinnvoll und wird bei modernen NWG-Konzepten häufig umgesetzt. Die Wärmepumpe kann im Heizbetrieb das Heizregister der RLT-Anlage versorgen und im Kühlbetrieb (Reversibelbetrieb oder separater Kältekreis) das Kühlregister mit Kaltwasser versorgen. Besonders effizient ist die Kombination mit Abluft-Wärmepumpen: Die Wärmepumpe entzieht der Abluft Wärme, bevor diese den Wärmetauscher erreicht, und arbeitet damit auf einem höheren Temperaturniveau. In der DIN-V-18599-Bilanz wird die Wärmepumpe über ihre saisonale Leistungszahl (SCOP) bilanziert, die Verknüpfung mit dem RLT-System erfolgt über die Übergabe-Temperaturniveaus.

Eine einfache Lüftungsanlage transportiert nur Luft – sie kann maximal eine Wärmerückgewinnung enthalten, bereitet die Luft aber nicht weiter auf. Eine RLT-Anlage (Raumlufttechnische Anlage) geht darüber hinaus: Sie enthält Heizregister (Nachheizung im Winter), Kühlregister (Kühlung und Entfeuchtung im Sommer), Befeuchter (Mindestfeuchte im Winter) und hochwertige Filterstufen (F7–F9). Damit kann eine RLT-Anlage das Innenraumklima ganzjährig unter allen Wetterbedingungen auf definierten Komfortwert halten. RLT-Anlagen sind entsprechend komplexer, teurer in Investition und Betrieb, erfordern regelmäßige VDI-6022-Inspektionen, bieten aber das höchste Niveau an Luftqualität und Klimakomfort.

Der Filterwechsel richtet sich nach der gemessenen Druckdifferenz am Filter (typisch Wechsel bei Δp > 200–250 Pa) sowie nach Filterklasse und Standort. Als Faustregel gelten folgende Intervalle: Vorfilter der Klasse G4 alle 3–6 Monate, Taschenfilter F7 alle 6–12 Monate, Hochleistungsfilter F9 alle 12 Monate. In stark verschmutzten Umgebungen (Gewerbegebiete, Baustellen in der Nähe) können kürzere Intervalle nötig sein. Alle Filterwechsel müssen mit Datum, Filterklasse und eingebauter Charge im Betriebstagebuch dokumentiert werden – das ist Voraussetzung für die VDI-6022-Inspektion und ggf. für Förderanträge. Verstopfte Filter erhöhen den Druckverlust und damit den SFP-Wert erheblich.

SEC steht für „Specific Energy Consumption" – den spezifischen Energieverbrauch einer Lüftungseinheit pro m³ geförderter Luft, angegeben in Wh/m³. Für Non-Residential Ventilation Units (NRVU) mit einem Nennluftvolumenstrom > 1.000 m³/h fordert die europäische ErP-Richtlinie seit 2016 die Einhaltung von SEC-Grenzwerten. Der SEC-Wert berücksichtigt sowohl den Ventilatorstrombedarf als auch die Effizienz der Wärmerückgewinnung. Anlagen werden in Energieeffizienzklassen eingeteilt, ähnlich dem bekannten Schema für Haushaltsgeräte. Im Produktdatenblatt einer neuen Anlage muss die Klasse ausgewiesen sein. Bei der Beschaffung von Ersatzanlagen ist zwingend zu prüfen, ob die SEC-Anforderung erfüllt wird – andernfalls droht eine behördliche Beanstandung.

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