DIN V 18599 · Heizung

Heizsysteme in DIN V 18599 – Bilanzierung von Übergabe, Verteilung, Speicherung und Erzeugung

Die vier Prozessschritte eines Heizsystems korrekt bewerten: von der Wärmeabgabe am Heizkörper bis zur Erzeugung im Kessel oder der Wärmepumpe – inklusive Aufwandszahl eH, hydraulischem Abgleich und aktuellen GEG-Anforderungen.

Aufwandszahl eH Hydraulischer Abgleich §60a GEG Systemtemperaturen 35–90 °C Rohrleitungsdämmung §71 GEG Hocheffizienzpumpen EEI < 0,23
4Prozessschritte DIN 18599
eH < 1,15Gutes Heizsystem
§60a GEGHyd. Abgleich Pflicht
EEI < 0,23Pumpenanforderung ErP
Systemverständnis

Vier Schritte – eine Prozesskette

DIN V 18599 beschreibt das Heizsystem als Kette von vier Prozessschritten. In jedem Schritt entstehen Verluste, die die insgesamt benötigte Endenergie erhöhen. Die Gesamtaufwandszahl eH fasst alle vier Stufen in einem einzigen Kennwert zusammen.

Je höher eH, desto mehr Endenergie wird für denselben Nutzwärmebedarf benötigt. Ein modernes, optimiertes System erreicht Werte unter 1,15 – ein veraltetes Altbausystem kann leicht Werte über 1,5 aufweisen.

Die Formel eH = eP × eV × eS × eE zeigt: Jeder Prozessschritt multipliziert seinen Verlustanteil in das Endergebnis. Optimierungen an mehreren Stellen wirken synergistisch.

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ÜbergabeHeizkörper, FBH – Verlust 2–6 %
VerteilungRohrnetz – Verlust 3–12 %
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SpeicherungPufferspeicher – Bereitschaftsverluste
ErzeugungKessel / WP – Erzeugeraufwandszahl eE
Prozessschritte

Die vier Stufen des Heizsystems im Detail

In jedem Schritt entstehen spezifische Verluste, die den Gesamtaufwand erhöhen. Ihre Minimierung verbessert direkt die Aufwandszahl eH.

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Übergabe (eP)

Verlust 2–6 %

Heizkörper, Fußbodenheizung, Konvektoren; Regelgüte und Thermostatventile sind entscheidend

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Verteilung (eV)

Verlust 3–12 %

Rohrleitungen in unbeheizten Bereichen; Dämmpflicht nach GEG Anlage 5 beachten

Speicherung (eS)

Bereitschaftsverlust

Pufferspeicher; Bereitschaftsverlust abhängig von Isolierung und Temperaturniveau

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Erzeugung (eE)

eE-Kennwert

Kessel, Wärmepumpe, BHKW; dominiert die Aufwandszahl im Gesamtsystem

Kennwerte

Aufwandszahl eH und Systemtemperaturen

Die Gesamtaufwandszahl verknüpft alle vier Prozessschritte. Die Systemtemperatur beeinflusst jeden einzelnen Schritt maßgeblich.

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Aufwandszahl eH berechnen

Die Formel eH = Eend / Qnutz = eP × eV × eS × eE multipliziert die Teilaufwandszahlen. Ziel ist ein Wert so nah wie möglich an 1,0 – oder darunter bei Wärmepumpen.

  • Gutes Gesamtsystem: eH < 1,15
  • Durchschnittliches System: eH 1,15–1,35
  • Veraltetes Altbausystem: eH > 1,5
  • Wärmepumpe mit FBH: eH typisch < 0,5
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Systemtemperaturen und ihr Einfluss

Die Vorlauf-/Rücklauftemperatur bestimmt die Effizienz aller Komponenten. Besonders kritisch bei Brennwertkesseln und Wärmepumpen.

  • Hochtemperatur 90/70 °C: Altbau-Heizkörper, hohe Verluste
  • Niedertemperatur 55/45 °C: moderner Gaskessel, guter Betrieb
  • FBH-System 35/28 °C: optimal für Wärmepumpe
  • Je 5 K VL-Absenkung: ca. 5–8 % mehr WP-Effizienz
Vergleich

Erzeugersysteme im Überblick

Typische Aufwandszahlen und Besonderheiten der gängigen Wärmeerzeuger nach DIN V 18599 als Orientierung für die Bilanzierung.

Erzeugertyp Aufwandszahl / JAZ Systemtemperatur Bewertung Hinweis
Gas-Brennwertkessel qP = 0,95–1,05 ≤ 55/45 °C (optimal) Gut Rücklauf < 55 °C für Kondensation erforderlich
Gas-NT-Kessel (veraltet) qP = 1,05–1,15 75/60 °C Mittel Kein Kondensationsgewinn möglich
Ölkessel Konstanttemperatur qP = 1,10–1,20 ≥ 75 °C Festtemperatur Veraltet GEG §72: Tauschpflicht bei Brennerersatz
WP Luft/Wasser JAZ = 2,5–3,5 35–55 °C Vorlauf Gut Abtauverluste bei Minustemperaturen einrechnen
WP Sole/Wasser JAZ = 3,5–4,5 35 °C VL optimal Sehr gut Erdwärmebohrung genehmigungspflichtig
BHKW (Kraft-Wärme-Kopplung) eP = 0,4–0,6 (Strom) 60–80 °C Vorlauf Komplex Strom-Gutschrift in der Bilanzierung beachten
Hydraulik & Pumpen

Hydraulischer Abgleich und Pumpenwirkungsgrad

Zwei oft unterschätzte Maßnahmen mit erheblichem Einsparpotenzial – und in Teilen gesetzlicher Pflicht nach dem GEG.

Hydraulischer Abgleich (§60a GEG)

Ohne Abgleich fließt Heizwasser bevorzugt durch nahe Heizkörper mit geringstem Widerstand. Entfernte Räume bleiben kalt, der Regler dreht die Vorlauftemperatur hoch, der Verbrauch steigt.

  • Gesetzliche Pflicht nach GEG §60a bei wesentlicher Änderung der Heizungsanlage
  • Einsparpotenzial: typisch 5–15 % des Heizenergieverbrauchs
  • Voraussetzung für Absenkung der Vorlauftemperatur und Brennwertnutzung
  • BEG-Förderung: Abgleich als Pflichtmaßnahme bei vielen Einzelmaßnahmen
  • Nachweis durch Berechnung nach VDI 2073 (Verfahren A oder B)

Hocheffizienzpumpen (EEI < 0,23)

Alte ungeregelte Umwälzpumpen verbrauchen 60–150 Watt Dauerstrom. Hocheffizienzpumpen mit EC-Motor und bedarfsgeregelter Drehzahl erreichen typisch 5–25 Watt.

  • EEI < 0,23 gesetzlich vorgeschrieben bei Pumpentausch nach ErP-Richtlinie
  • Strombedarf neue Pumpe: 0,1–0,4 W/(m²·a)
  • Strombedarf alte Pumpe: 1,0–2,5 W/(m²·a)
  • Amortisation des Tausches: häufig unter 3 Jahren
  • Im GEG-Nachweis erhöht Pumpenstrom den Hilfsenergieanteil
Betriebsoptimierung

Nachtabsenkung, Rohrdämmung und weitere Maßnahmen

Betriebliche und bauliche Maßnahmen, die im Energieaudit systematisch erfasst und in ihrer Wirkung bewertet werden.

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Nachtabsenkung und Betriebszeiten optimieren Bei Bürogebäuden spart Nachtabsenkung auf 16 °C typisch 10–20 % Heizwärme. Ausreichende Aufheizreserve (ca. 1–1,5 K/h) und witterungsgeführte Vorlaufregelung müssen koordiniert sein. Bei schwerer Bauweise Aufheizzeit von 2–3 h einplanen.
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Rohrleitungsdämmung nach GEG Anlage 5 GEG §71 verpflichtet zur Nachdämmung zugänglicher Heizleitungen in unbeheizten Bereichen. Mindestdicke: 30 mm bis DN 22, 50 mm bei größeren Rohren. Ohne Dämmung gehen 15–25 % der Wärme ungenutzt im Keller verloren.
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Abgasverlustmessung und jährliche Kesselwartung Jährliche Wartung nach 1. BImSchV: Messung Abgastemperatur, CO-Gehalt und Abgasverlust qA. Bei qA > 10 % sind Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Verschmutzte Heizflächen erhöhen den Abgasverlust um 1 % je 1 mm Rußschicht.
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Witterungsgeführte Regelung und Thermostatventile Elektronische Thermostatventile mit voreinstellbarer Öffnungscharakteristik reduzieren die Übergabeverluste gegenüber nicht abgeglichenen Anlagen. Witterungsgeführte Vorlaufregelung mit optimierter Heizkurve senkt die mittlere Systemtemperatur.
Richtwerte

Wichtige Grenz- und Richtwerte auf einen Blick

< 1,15
Aufwandszahl eH

Gutes Heizsystem

Zielwert für modernes, optimiertes Gesamtsystem aller vier Prozessschritte

5–15 %
Energieeinsparung

Hydraulischer Abgleich

Typisches Einsparpotenzial bei nicht abgeglichenen Rohrnetzen

< 0,23
EEI-Wert

Hocheffizienzpumpe

Gesetzliche Anforderung bei Pumpentausch nach ErP-Richtlinie

35 °C
Vorlauftemperatur

Optimal für WP

Fußbodenheizung ermöglicht maximale Wärmepumpeneffizienz

FAQ

Häufige Fragen zu Heizsystemen in DIN V 18599

Was bedeutet hydraulischer Abgleich und warum ist er so wichtig?

Der hydraulische Abgleich stellt sicher, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge erhält, die er für die gewünschte Heizleistung benötigt. Ohne Abgleich fließt das Heizwasser bevorzugt durch nahe Heizkörper mit geringstem Strömungswiderstand – entfernte Räume bleiben kalt, nahe überhitzen.

Die Konsequenzen: Bewohner beschweren sich über kalte Räume, der Verbrauchsregler dreht die Vorlauftemperatur hoch, und der Gesamtverbrauch steigt deutlich. Moderne Einstellventile an jedem Heizkörper erlauben die exakte Einstellung des maximalen Volumenstroms pro Kreis.

  • Energieeinsparung: typisch 5–15 %, in Extremfällen bis 20 %
  • Voraussetzung für erfolgreiche Absenkung der Vorlauftemperatur
  • Pflicht nach GEG §60a bei wesentlicher Änderung der Heizungsanlage
  • Fachbetrieb erstellt Berechnung nach VDI 2073 und stellt Nachweis aus
Wie viel spart eine neue Hocheffizienzpumpe gegenüber einer alten Pumpe?

Alte ungeregelte Umwälzpumpen verbrauchen häufig 80–150 Watt Dauerstrom. Bei 6.000 Betriebsstunden pro Jahr ergibt das 480–900 kWh jährlich – bei Strompreisen über 30 Ct/kWh entspricht das 145–270 Euro an reinen Pumpenkosten.

Eine moderne Hocheffizienzpumpe mit EC-Motor und bedarfsgeregelter Drehzahl (EEI < 0,23) verbraucht je nach Anlagengröße nur 5–30 Watt im Teillastbetrieb. Die Jahresstromkosten sinken auf 10–55 Euro. Die Amortisation des Pumpentauschs (Kosten ca. 300–600 Euro inkl. Einbau) liegt häufig unter drei Jahren. Die bedarfsgeregelte Pumpe ermöglicht zudem eine optimale Druckregelung im Netz und reduziert Strömungsgeräusche.

Was ist der Unterschied zwischen Aufwandszahl und Wirkungsgrad?

Der Wirkungsgrad η gibt an, welcher Anteil der eingesetzten Energie als Nutzenergie abgegeben wird: η = Qnutz / Qein. Werte zwischen 0 und 1 sind dabei üblich. Höher ist besser.

Die Aufwandszahl e ist das Verhältnis von benötigter Endenergie zu gelieferter Nutzwärme: e = Eend / Qnutz. Sie ist im Wesentlichen der Kehrwert des Systemwirkungsgrads und kann bei Wärmepumpen unter 1,0 liegen, weil mehr Nutzwärme geliefert wird als Endenergie eingesetzt wird – die Differenz stammt aus der Umgebungswärme. Niedriger ist besser.

In der DIN V 18599 werden Aufwandszahlen bevorzugt, weil sie sich für die gesamte Prozesskette multiplikativ verknüpfen lassen: eH = eP × eV × eS × eE.

Wann lohnt sich eine Nachtabsenkung bei Bürogebäuden?

Eine Nachtabsenkung auf 16–18 °C lohnt sich in Bürogebäuden grundsätzlich immer dann, wenn ausreichend Zeit für die Wiederaufheizung zur Verfügung steht. Bei schwerer Bauweise kann die Aufheizzeit 2–3 Stunden betragen; die Heizung muss entsprechend frühzeitig anlaufen. Typische Einsparpotenziale: 10–20 % des Heizwärmebedarfs.

  • Witterungsgeführte Vorlaufregelung muss entsprechend programmiert sein
  • Hydraulischer Abgleich vorhanden, damit alle Räume gleichmäßig aufgeheizt werden
  • Kein Schichtbetrieb oder Reinigungsdienst in der geplanten Absenkzeit
  • Frostschutz: Mindesttemperatur 12–14 °C im leer stehenden Gebäude sicherstellen

Bei Gebäuden mit Wärmepumpe Vorsicht: kurze starke Aufheizphasen mit hoher Vorlauftemperatur senken die JAZ deutlich. Besser: sanfteres Aufheizen über längere Zeit.

Welchen Einfluss hat die Systemtemperatur auf den Jahresheizwärmebedarf?

Die Systemtemperatur beeinflusst den Jahresheizwärmebedarf indirekt, aber signifikant über mehrere Wege:

  • Verteilungsverluste: Höhere Systemtemperatur bedeutet größeres Temperaturgefälle zur Umgebung im Keller – mehr ungewollte Abstrahlung. Absenkung von 80 auf 55 °C VL kann Verteilungsverluste um 30–50 % reduzieren.
  • Brennwertnutzung: Erst wenn die Rücklauftemperatur unter ca. 55 °C (Erdgas) liegt, kondensiert der Wasserdampf im Abgas. Dieser Kondensationsgewinn von 5–15 % geht bei hoher Systemtemperatur verloren.
  • Wärmepumpeneffizienz: Die JAZ sinkt mit steigender Vorlauftemperatur. Von 35 °C auf 55 °C VL sinkt sie typisch um 1,0–1,5 Punkte – was den Stromeinsatz erheblich erhöht.
  • Abstrahlverluste am Heizkörper: Überhitzte Heizkörper strahlen Wärme unkontrolliert ab; Thermostatventile können nicht schnell genug gegensteuern.

Im Energieaudit wird deshalb immer geprüft, ob vorhandene Heizkörper bei abgesenkter Systemtemperatur noch ausreichend Leistung liefern.

Heizsystem professionell bewerten lassen

Ein Energieaudit nach DIN EN 16247 umfasst die vollständige Analyse Ihrer Heizungsanlage – von der Aufwandszahl bis zum hydraulischen Abgleich und der Maßnahmenplanung.

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