Wärmepumpen korrekt bilanzieren: Jahresarbeitszahl und SCOP erklärt, typische JAZ-Werte je Wärmequelle, Einfluss der Systemtemperatur und die korrekte Abbildung im GEG-Nachweis.
Eine Wärmepumpe entzieht einer Umgebungswärmequelle (Luft, Erde, Grundwasser) Energie und hebt diese auf das Temperaturniveau des Heizsystems an. Der COP (Coefficient of Performance) beschreibt das Verhältnis von abgegebener Nutzwärme zu eingesetzter elektrischer Energie: COP = Qab / Wel.
Für die DIN V 18599 Bilanzierung ist nicht der Hersteller-COP (Laborwert) maßgeblich, sondern die Jahresarbeitszahl (JAZ) bzw. der SCOP (Seasonal COP). Dieser Wert integriert alle Betriebszustände – inklusive Abtauen bei Luft/Wasser-WP, Bereitschaft und Zusatzheizer-Einsatz.
Je niedriger die Vorlauftemperatur des Heizsystems, desto geringer die Temperaturdifferenz für die WP und desto höher die JAZ. Fußbodenheizung mit 35 °C Vorlauf liefert wesentlich höhere JAZ als Radiatoren mit 70 °C.
Typische JAZ je Wärmequelle
Werte bei FBH 35 °C VL, Klimazone Deutschland. Bei Radiatoren 70 °C VL ca. 1,0–1,5 JAZ-Punkte geringer.
Jede Wärmequelle hat spezifische Vor- und Nachteile bei Effizienz, Genehmigung und Investitionskosten.
Entzieht der Außenluft Wärme. Keine Genehmigung für die Wärmequelle nötig, einfache Installation. Nachteil: Bei Außentemperaturen unter ca. −5 °C sinkt die Effizienz stark, und ein Elektroheizstab als Zusatzheizer wird aktiv.
Nutzt Erdwärme über Horizontalkollektor (Flächenkollektor) oder Erdwärmesonde (Vertikalbohrung). Gleichmäßige Quelltemperatur ganzjährig; keine Abtauverluste.
Höchste JAZ aller Wärmequellen dank konstanter Grundwassertemperatur von ca. 10–12 °C. Zwei Brunnen nötig: Schluck- und Förderbrunnen.
Nutzt Abwärme aus Prozessen, Abluft oder Abwasser. Höchste JAZ möglich, da die Quelltemperatur oft 20–35 °C beträgt. Im Nichtwohnbau besonders relevant.
Die Systemtemperatur des Heizsystems ist der wichtigste Stellhebel für die Effizienz einer Wärmepumpe. Jede Abwärmung lohnt sich.
Relative JAZ bei verschiedenen Vorlauftemperaturen (LW-WP)
Richtwerte für LW-WP bei −7 °C Außentemp. (NAT). Sole/Wasser liegt ca. 0,5–1 JAZ-Punkt höher.
Die witterungsgeführte Vorlaufregelung passt die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur an. So läuft die WP möglichst viel Zeit bei niedrigen Vorlauftemperaturen.
Typische Fehler bei der Bilanzierung von Wärmepumpen und wie man sie vermeidet.
Die Wärmepumpe wird in der Bilanz als Erzeuger behandelt. Der Endenergiebedarf ergibt sich aus dem Nutzwärmebedarf dividiert durch die JAZ, plus dem Pumpenstrom für die Wärmequellen-Umwälzung.
In der Praxis werden Wärmepumpen häufig zu optimistisch angesetzt. Diese Fehler führen zu nicht realisierbaren Einsparprogosen.
Bei FBH 35 °C VL und Sole 0 °C Quelltemperatur
Maßgeblich für GEG-Nachweisrechnung; sinkt mit EE-Ausbau
Fußbodenheizung ermöglicht maximale JAZ – WP-Pflicht-Setup
Erst ab JAZ > fp,Strom Vorteil gegenüber Gas-BW-Kessel
Die Wärmepumpe ist die unkomplizierteste Möglichkeit, die 65-%-EE-Anforderung des GEG 2024 zu erfüllen.
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe arbeitet auch bei tiefen Temperaturen, allerdings mit sinkender JAZ. Bei −5 bis −10 °C liegt die JAZ typisch zwischen 1,5 und 2,0 – das ist zwar immer noch effizienter als ein Elektrodirektheizer, aber deutlich schlechter als bei milden Temperaturen.
Gleichzeitig tritt bei diesen Temperaturen häufig Abtauen auf: der Verdampfer vereist und muss durch Umkehr des Kältemittelkreises aufgetaut werden. Dies kostet Energie und kann die effektive JAZ für den Heizstab, der während des Abtauens einspringt, in Extremfällen unter 1,5 senken.
Ja, in den meisten Fällen ist eine Genehmigung erforderlich. Der Genehmigungsbedarf und die zuständige Behörde unterscheiden sich je nach Bundesland und geplanter Anlage:
Empfehlung: Frühzeitig (mind. 6 Monate vor geplantem Einbau) bei der zuständigen Behörde anfragen und einen Fachbetrieb mit Genehmigungserfahrung beauftragen.
Im GEG-Nachweis (Primärenergienachweis) wird die Wärmepumpe über die Jahresarbeitszahl JAZ und den Primärenergiefaktor fp,Strom = 1,8 bewertet:
Die JAZ muss normiert und plausibel sein. Der Energieausweis-Ersteller haftet für die Richtigkeit der eingesetzten Werte. Herstellerangaben sind oft unter Laborbedingungen ermittelt und dürfen nicht eins zu eins übertragen werden.
Ja, viele Wärmepumpen können auch zur Sommerkühlung eingesetzt werden. Es gibt zwei Varianten:
Voraussetzung für Kühlung über Fußbodenheizung: Taupunktwächter müssen eingebaut sein, um Kondensation auf dem Boden zu verhindern. Im GEG-Nachweis wird der Kühlstrombedarf separat von der Heizenergie ausgewiesen.
In der DIN V 18599 Bilanz sind normierte oder berechnete JAZ-Werte zu verwenden – nicht einfach die Datenblatt-Werte des Herstellers. Die relevanten Einflussgrößen sind:
Als Orientierung: Für eine Luft/Wasser-WP bei FBH-System in Klimazone 4 (Süddeutschland) können 3,0–3,5 angesetzt werden. Für Sole/Wasser 3,5–4,2. Werte über 4,5 müssen gut begründet sein.
Bei der GEG-Prüfung durch den Energieberater oder bei Baugenehmigungen sind überhöhte JAZ-Ansetzungen ein häufiger Kritikpunkt. Im Zweifel konservative Werte ansetzen.
Wir bewerten Ihre Wärmepumpenanlage nach DIN V 18599, wählen die korrekte JAZ und erstellen einen GEG-konformen Nachweis.
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