DIN V 18599 · Wärmepumpe

Wärmepumpen in DIN V 18599 – JAZ, SCOP, Wärmequellen und Bilanzierung

Wärmepumpen korrekt bilanzieren: Jahresarbeitszahl und SCOP erklärt, typische JAZ-Werte je Wärmequelle, Einfluss der Systemtemperatur und die korrekte Abbildung im GEG-Nachweis.

JAZ 2,5–5,5 je Wärmequelle FBH 35 °C optimal fp Strom 1,8 GEG §71 GEG 65 % EE Abtauverluste LW-WP
2,5–5,5JAZ je Wärmequelle
35 °C VLFBH optimal für WP
fp = 1,8Primärenergiefaktor Strom
§71 GEG65 % EE automatisch erfüllt
Grundprinzip

Wärme aus der Umgebung – mechanisch angehoben

Eine Wärmepumpe entzieht einer Umgebungswärmequelle (Luft, Erde, Grundwasser) Energie und hebt diese auf das Temperaturniveau des Heizsystems an. Der COP (Coefficient of Performance) beschreibt das Verhältnis von abgegebener Nutzwärme zu eingesetzter elektrischer Energie: COP = Qab / Wel.

Für die DIN V 18599 Bilanzierung ist nicht der Hersteller-COP (Laborwert) maßgeblich, sondern die Jahresarbeitszahl (JAZ) bzw. der SCOP (Seasonal COP). Dieser Wert integriert alle Betriebszustände – inklusive Abtauen bei Luft/Wasser-WP, Bereitschaft und Zusatzheizer-Einsatz.

Je niedriger die Vorlauftemperatur des Heizsystems, desto geringer die Temperaturdifferenz für die WP und desto höher die JAZ. Fußbodenheizung mit 35 °C Vorlauf liefert wesentlich höhere JAZ als Radiatoren mit 70 °C.

Typische JAZ je Wärmequelle

Luft/Wasser (Außenluft)
JAZ 2,5–3,5
Sole/Wasser (Erdkollektor)
JAZ 3,5–4,5
Wasser/Wasser (Grundwasser)
JAZ 4,0–5,5
Abwärme-WP (Prozesswärme)
JAZ 4,0–7,0

Werte bei FBH 35 °C VL, Klimazone Deutschland. Bei Radiatoren 70 °C VL ca. 1,0–1,5 JAZ-Punkte geringer.

Wärmequellen

Luft, Sole, Wasser und Abwärme – vier Wärmequellen im Vergleich

Jede Wärmequelle hat spezifische Vor- und Nachteile bei Effizienz, Genehmigung und Investitionskosten.

JAZ 2,5–3,5
🍗

Luft/Wasser-Wärmepumpe

Entzieht der Außenluft Wärme. Keine Genehmigung für die Wärmequelle nötig, einfache Installation. Nachteil: Bei Außentemperaturen unter ca. −5 °C sinkt die Effizienz stark, und ein Elektroheizstab als Zusatzheizer wird aktiv.

  • Kein Bohrauftrag, kein Brußnengutachten
  • Abtauverluste bei negativen Temperaturen einplanen
  • Schallschutz: Aufstellort und Abstand zu Nachbargrenzen beachten
  • Bivalenter Betrieb bei Extremkälte empfohlen
JAZ 3,5–4,5
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Sole/Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme)

Nutzt Erdwärme über Horizontalkollektor (Flächenkollektor) oder Erdwärmesonde (Vertikalbohrung). Gleichmäßige Quelltemperatur ganzjährig; keine Abtauverluste.

  • Erdwärmesonde: Genehmigungspflicht je nach Bundesland
  • Faustregel Bohrlänge: 100 m je 3–4 kW Heizlast
  • Horizontalkollektor: viel Grundfläche, keine Bohrung
  • Betriebskosten niedrig bei hoher und stabiler JAZ
JAZ 4,0–5,5
💥

Wasser/Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser)

Höchste JAZ aller Wärmequellen dank konstanter Grundwassertemperatur von ca. 10–12 °C. Zwei Brunnen nötig: Schluck- und Förderbrunnen.

  • Wasserrechtliche Genehmigung zwingend erforderlich
  • Grundwasservorkommen und -qualität vorab prüfen lassen
  • Höchste Investitionskosten unter den Erdwärmesystemen
  • Ideal bei großem Heizbedarf und gutem Grundwasserdargebot
JAZ 4,0–7,0

Abwärme-Wärmepumpe

Nutzt Abwärme aus Prozessen, Abluft oder Abwasser. Höchste JAZ möglich, da die Quelltemperatur oft 20–35 °C beträgt. Im Nichtwohnbau besonders relevant.

  • Abluft-WP in Lüftungsanlagen: nach DIN V 18599 spezifisch bilanziert
  • Abwasser-WP: Wärme aus Grauwasser 15–25 °C; gute JAZ
  • Prozessabwärme in Gewerbe: individuelle Analyse erforderlich
  • Kein saisonaler Einfluss auf JAZ
Systemtemperatur

Vorlauftemperatur und JAZ – der größte Einflussfaktor

Die Systemtemperatur des Heizsystems ist der wichtigste Stellhebel für die Effizienz einer Wärmepumpe. Jede Abwärmung lohnt sich.

Relative JAZ bei verschiedenen Vorlauftemperaturen (LW-WP)

35 °C (FBH)
JAZ ~3,5
45 °C (FBH/NK)
JAZ ~2,9
55 °C (Radiator)
JAZ ~2,3
70 °C (alt)
JAZ ~1,8

Richtwerte für LW-WP bei −7 °C Außentemp. (NAT). Sole/Wasser liegt ca. 0,5–1 JAZ-Punkt höher.

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Witterungsgeführte Regelung: Heizkurve optimal einstellen

Die witterungsgeführte Vorlaufregelung passt die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur an. So läuft die WP möglichst viel Zeit bei niedrigen Vorlauftemperaturen.

  • Heizkurve so flach wie möglich einst.: alle Räume müssen warm sein
  • Steilere Heizkurve nötig bei Altbau-Radiatoren
  • Hydraulischer Abgleich Voraussetzung für niedrige VL-Temperatur
  • Nachtabsenkung bei WP: besser sanftes Absenken als starkes Einschalten
  • Warmwasserbereitung über WP: VL bis 60 °C (Legionellenschutz); JAZ sinkt
DIN V 18599 Bilanzierung

Wärmepumpe richtig in der Bilanz erfassen

Typische Fehler bei der Bilanzierung von Wärmepumpen und wie man sie vermeidet.

Bilanzierung nach DIN V 18599

Die Wärmepumpe wird in der Bilanz als Erzeuger behandelt. Der Endenergiebedarf ergibt sich aus dem Nutzwärmebedarf dividiert durch die JAZ, plus dem Pumpenstrom für die Wärmequellen-Umwälzung.

  • Eend,Strom = Qheiz / JAZ + EPumpen
  • Primärenergie = Eend,Strom × fp,Strom (fp = 1,8 nach GEG)
  • Trotz fp = 1,8 oft besser als Gas durch hohe JAZ: JAZ > 1,8 nötig
  • WP + PV-Anlage: Eigenstromnutzung senkt fp effektiv; im GEG-Nachweis aber nicht direkt anrechenbar
  • Abtauverluste LW-WP: reduzieren JAZ; im Simulationsmodell berücksichtigen

Typische Fehler bei der WP-Bilanzierung

In der Praxis werden Wärmepumpen häufig zu optimistisch angesetzt. Diese Fehler führen zu nicht realisierbaren Einsparprogosen.

  • Hersteller-COP (Labor A++/Norm) statt realer JAZ angesetzt
  • Systemtemperatur zu niedrig angenommen (z. B. 35 °C bei vorhandenen Radiatoren)
  • Abtauverluste bei LW-WP vergessen (ca. 5–10 % JAZ-Verlust)
  • Zusatzheizer-Anteil (Elektrostab) nicht in der Bilanz berücksichtigt
  • Pumpenstrom Wärmequellenkreis nicht eingerechnet
  • JAZ für Warmwasseraufheizung auf 60 °C getrennt von Heizung bewerten
Richtwerte

Zentrale Kennzahlen für die Wärmepumpen-Bewertung

3,5–4,5
JAZ Sole/Wasser-WP

Bestwert Erdwärme

Bei FBH 35 °C VL und Sole 0 °C Quelltemperatur

1,8
fp Strom (GEG)

Primärenergiefaktor

Maßgeblich für GEG-Nachweisrechnung; sinkt mit EE-Ausbau

35 °C
Vorlauftemperatur

Optimum FBH

Fußbodenheizung ermöglicht maximale JAZ – WP-Pflicht-Setup

> 1,8
JAZ Mindest-Schwelle

Primärenergie-Vorteil

Erst ab JAZ > fp,Strom Vorteil gegenüber Gas-BW-Kessel

GEG §71

Wärmepumpe und das GEG 2024

Die Wärmepumpe ist die unkomplizierteste Möglichkeit, die 65-%-EE-Anforderung des GEG 2024 zu erfüllen.

GEG §71: Wärmepumpe erfüllt 65 % EE automatisch Eine Wärmepumpe (Luft/Wasser, Sole/Wasser, Wasser/Wasser) gilt nach GEG §71 als automatisch konform – ohne weitere Nachweise zu EE-Anteilen. Sie gilt als “geborene 65-%-Erfüllung”. Kein Hybridnachweis, kein Solar-Ergbänzungsnachweis notwendig.
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WP + PV-Anlage: Synergieeffekt nutzen Eine WP, die über eine gebaudeeigene PV-Anlage teilweise mit Eigenstrom versorgt wird, senkt die effektiven Betriebskosten erheblich. Im GEG-Nachweissystem kann PV-Eigenstrom den effektiven fp-Wert reduzieren – die Bilanzierung erfolgt aber nach festgelegten Regeln, eine Netto-Einspeisung wird nicht gutgeschrieben.
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Kühlfunktion: WP als Klimaanlage Sole/Wasser-WP können im Sommer “passiv kühlen” (Free Cooling): das Sole-Kreislaufwasser wird direkt durch die Fußbodenheizung geführt und kühlt die Räume. Luft/Wasser-WP kühlen aktiv durch Umkehrung des Kältekreises. Im GEG-Nachweis ist der Kühlstrombedarf separat zu bilanzieren.
📏
Welche JAZ im GEG-Nachweis ansetzen? Maßgeblich ist die reale Jahresarbeitszahl am Aufstellort – nicht die Herstellerangabe aus dem Datenblatt. Für die Bilanzierung nach DIN V 18599 sind normierte Tabellenwerte (in Abhängigkeit von Wärmequelle, Systemtemperatur und Klimazone) oder eine projektspezifische Berechnung möglich. Nennwerte dürfen nur mit begründeter Plausibilität angesetzt werden.
FAQ

Häufige Fragen zu Wärmepumpen in DIN V 18599

Ab welcher Außentemperatur ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nicht mehr wirtschaftlich?

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe arbeitet auch bei tiefen Temperaturen, allerdings mit sinkender JAZ. Bei −5 bis −10 °C liegt die JAZ typisch zwischen 1,5 und 2,0 – das ist zwar immer noch effizienter als ein Elektrodirektheizer, aber deutlich schlechter als bei milden Temperaturen.

Gleichzeitig tritt bei diesen Temperaturen häufig Abtauen auf: der Verdampfer vereist und muss durch Umkehr des Kältemittelkreises aufgetaut werden. Dies kostet Energie und kann die effektive JAZ für den Heizstab, der während des Abtauens einspringt, in Extremfällen unter 1,5 senken.

  • Bivalenzpunkt: Temperatur, ab der Zusatzheizer allein oder ergänzend einschaltet
  • Monovalent-alternativ: WP schaltet ab, Elektrostab übernimmt vollständig
  • Bivalent-parallel: WP läuft weiter, Zusatzheizer unterstützt – effizienter
  • Auslegungstipp: Bivalenzpunkt bei −5 bis −7 °C für Deutschland optimal
Brauche ich für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe eine Genehmigung?

Ja, in den meisten Fällen ist eine Genehmigung erforderlich. Der Genehmigungsbedarf und die zuständige Behörde unterscheiden sich je nach Bundesland und geplanter Anlage:

  • Erdwärmesonde (Vertikalbohrung): Genehmigungspflichtig nach Landeswassergesetz; zuständig ist oft die Untere Wasserbehörde. Bohrtiefe und Standort entscheidend.
  • Horizontalkollektor (Flächenkollektor): In vielen Bundesländern anzeigepflichtig, nicht genehmigungspflichtig – aber immer prüfen!
  • Wasser/Wasser-WP (Grundwasserbrunnen): Wasserrechtliche Genehmigung immer erforderlich; Gutachten zur Grundwasserqualität und -menge nötig.

Empfehlung: Frühzeitig (mind. 6 Monate vor geplantem Einbau) bei der zuständigen Behörde anfragen und einen Fachbetrieb mit Genehmigungserfahrung beauftragen.

Wie wird eine Wärmepumpe im GEG-Nachweis berechnet?

Im GEG-Nachweis (Primärenergienachweis) wird die Wärmepumpe über die Jahresarbeitszahl JAZ und den Primärenergiefaktor fp,Strom = 1,8 bewertet:

  • Endenergie Strom = QHeiz / JAZ + Hilfsenergie (Pumpen)
  • Primärenergie = Eend,Strom × 1,8
  • Bei JAZ = 3,5: Primärenergiefaktor effektiv = 1,8 / 3,5 = 0,51 – sehr gut
  • Zum Vergleich: Gas-BW-Kessel fp = 1,1 × qP ≈ 1,1

Die JAZ muss normiert und plausibel sein. Der Energieausweis-Ersteller haftet für die Richtigkeit der eingesetzten Werte. Herstellerangaben sind oft unter Laborbedingungen ermittelt und dürfen nicht eins zu eins übertragen werden.

Kann eine Wärmepumpe auch kühlen?

Ja, viele Wärmepumpen können auch zur Sommerkühlung eingesetzt werden. Es gibt zwei Varianten:

  • Aktive Kühlung: Der Kältemittelkreis wird umgekehrt, das Gebäude wird aktiv gekühlt. Benötigt mehr Strom, bietet aber höhere Kühlleistung.
  • Passive Kühlung / Free Cooling (nur Sole/Wasser): Das kühle Sole-Wasser aus dem Erdkollektor wird direkt über die FBH geführt. Kein Kompressor nötig – sehr energieeffizient.

Voraussetzung für Kühlung über Fußbodenheizung: Taupunktwächter müssen eingebaut sein, um Kondensation auf dem Boden zu verhindern. Im GEG-Nachweis wird der Kühlstrombedarf separat von der Heizenergie ausgewiesen.

Welche JAZ muss ich in der 18599-Bilanz ansetzen?

In der DIN V 18599 Bilanz sind normierte oder berechnete JAZ-Werte zu verwenden – nicht einfach die Datenblatt-Werte des Herstellers. Die relevanten Einflussgrößen sind:

  • Wärmequelle (Luft, Sole, Grundwasser)
  • Vorlauftemperatur des Heizsystems (Auslegungstemperatur)
  • Klimazone des Standorts (Normdaten nach DIN V 18599 oder TRY)
  • Bivalenzpunkt und Bivalenzstrategie (monovalent, alternativ, parallel)

Als Orientierung: Für eine Luft/Wasser-WP bei FBH-System in Klimazone 4 (Süddeutschland) können 3,0–3,5 angesetzt werden. Für Sole/Wasser 3,5–4,2. Werte über 4,5 müssen gut begründet sein.

Bei der GEG-Prüfung durch den Energieberater oder bei Baugenehmigungen sind überhöhte JAZ-Ansetzungen ein häufiger Kritikpunkt. Im Zweifel konservative Werte ansetzen.

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