Verschiedene Werkzeuge – verschiedene Antworten
Wer ein Nichtwohngebäude besitzt oder betreibt, begegnet regelmäßig beiden Normen. Doch die Frage, welche davon für welche Situation gilt, sorgt in der Praxis für anhaltende Verwirrung. Der entscheidende Unterschied liegt in der Systemgrenze und im Erkenntnisziel.
Das Unternehmens-Energieaudit nach DIN EN 16247 analysiert den tatsächlichen Energieverbrauch eines Unternehmens – alle Strom- und Wärmemengen, die Prozesse, Gebäude, Beleuchtung, Druckluft und Fuhrpark verursachen. Es ist eine Ist-Zustandsanalyse mit dem Ziel, Einsparpotenziale zu identifizieren. Für viele Unternehmen ist es nach §8a EDL-G alle vier Jahre gesetzlich Pflicht.
Das Gebäudeaudit nach DIN V 18599 arbeitet anders: Es berechnet den theoretischen Energiebedarf eines Gebäudes unter normierten Standardbedingungen (Nutzungsprofile, Klimadaten, feste Innentemperaturen). Das Ergebnis ist kein Verbrauchswert, sondern ein Bedarfswert – vergleichbar mit anderen Gebäuden und Varianten, unabhängig vom individuellen Nutzerverhalten. Dieser Wert bildet die Grundlage für den Energieausweis, den GEG-Nachweis und den Sanierungsfahrplan.
Kurz gesagt: 16247 sagt, wo Energie heute verschwendet wird. 18599 sagt, welchen Energiebedarf ein Gebäude bei normgerechter Nutzung haben sollte – und was bauliche oder anlagentechnische Maßnahmen daran ändern würden.