Unkontrollierter Luftwechsel durch Leckagen erhöht den Heizbedarf, verursacht Bauschäden durch Feuchteeintrag und vermindert die Effizienz von Lüftungsanlagen. So wird Luftdichtheit korrekt erfasst und bewertet.
Jede Leckage in der Gebäudehülle lässt warme Innenluft entweichen und kalte Außenluft einströmen – unkontrolliert und ohne jede Wärmerückgewinnung. Im Gegensatz zur kontrollierten Lüftungsanlage, die Wärme zurückgewinnt, ist dieser Luftwechsel energetisch verloren. Die DIN V 18599 berücksichtigt diesen Infiltrationsluftvolumenstrom über den n50-Wert und den zugehörigen Infiltrationsansatz.
Besonders bei Gebäuden mit mechanischer Lüftung ist Luftdichtheit essentiell: Undichtheiten verursachen Kurzschlussströmungen, die die Wärmerückgewinnung umgehen und den bewohnbaren Komfort drastisch mindern.
Der n50-Wert beschreibt den Luftwechsel des Gebäudes bei 50 Pa Druckdifferenz in Stunden⁻¹ (h⁻¹). Je kleiner der Wert, desto luftdichter das Gebäude.
Der Infiltrationsluftvolumenstrom nInf wird aus dem gemessenen oder angenommenen n50-Wert abgeleitet. Die Berechnung erfolgt nach DIN EN 12831 Anhang:
n_Inf = effektiver Infiltrationsluftvolumenstrom [h⁻¹] · e = Abschirmungskoeffizient (0,07–0,15) · f = Höhenkorrektur (1,0 für eingeschossig, 1,2 für mehrgeschossig). Bei mechanischer Lüftung gilt der vereinfachte Ansatz: n_Inf = 0,01 × n50.
Praktisches Beispiel: Bei n50 = 3,0 h⁻¹ ohne Lüftungsanlage: nInf ≈ 0,07 × 3,0 × 0,10 × 1,2 ≈ 0,025 h⁻¹. Bei n50 = 1,0 h⁻¹ mit kontrollierter Lüftung: nInf = 0,01 × 1,0 = 0,010 h⁻¹. Die daraus resultierende Heizlastreduzierung beträgt ca. 8–15 kWh/(m²·a) je nach Gebäudegröße.
| Standard / Anforderung | n50 Grenzwert | Nachweis | Gilt für |
|---|---|---|---|
| GEG §12 – ohne Lüftungsanlage | ≤ 3,0 h⁻¹ | Blower-Door empfohlen | Wohn- und Nichtwohngebäude |
| GEG §12 – mit mechanischer Lüftung | ≤ 1,5 h⁻¹ | Blower-Door Pflicht für KfW | Wohn- und Nichtwohngebäude |
| KfW EH 55 | ≤ 1,5 h⁻¹ | Blower-Door-Messprotokoll | Wohngebäude, Förderung |
| KfW EH 40 | ≤ 1,0 h⁻¹ | Blower-Door-Messprotokoll | Wohngebäude, erhöhte Förderung |
| Passivhaus (PHI-Zertifizierung) | ≤ 0,6 h⁻¹ | Zertifizierter BD-Tester | Passivhaus-Zertifikat |
Der Test nach DIN EN ISO 9972 misst den Luftvolumenstrom, der bei 50 Pa Druckdifferenz durch Leckagen der Gebäudehülle strömt.
Alle beabsichtigten Öffnungen (Ventilatoren, Abluft) verschließen. Innentüren öffnen. Brenner und Kaminklappe sichern.
Blower-Door-Einheit in eine Außentür einbauen. Das Gebläse erzeugt definierten Über- oder Unterdruck.
Volumenstrommessung bei mehreren Druckdifferenzen (10–60 Pa). Software berechnet n50 nach Extrapolation auf 50 Pa.
Optional: Rauchstift, Thermografie oder Ultraschall zur Ortung der Hauptleckagen während des laufenden Tests.
Messbericht mit n50, V50 und Bewertung. Für KfW-Nachweis: Unterschrift des zertifizierten Messtechnikers.
| n50-Wert | Gebäudetyp | Mehraufwand Heizung | Zusätzliche Risiken |
|---|---|---|---|
| 8–15 h⁻¹ (Altbau) | EFH unsaniert | +20–40 kWh/(m²·a) | Zugerscheinungen, Baufeuchte |
| 3,0 h⁻¹ (GEG Standard) | Neubau ohne Nachweis | +8–15 kWh/(m²·a) | Moderate Leckagen möglich |
| 1,5 h⁻¹ (GEG + Lüftung) | Neubau mit Lüftungsanlage | +3–6 kWh/(m²·a) | Gering bei guter Ausführung |
| ≤ 0,6 h⁻¹ (Passivhaus) | Passivhaus, KfW 40+ | Referenzwert 0 | Sehr gering |
Schwachstellen entstehen häufig an Durchdringungen für Elektro, Sanitär und Lüftung, an Dachrandanschlüssen sowie an nachträglichen Umbauten. Ein Zwischentest während der Sanierung – bevor Verkleidungen geschlossen werden – hilft, Leckagen zu finden und zu beseitigen, bevor sie zugänglich sind.
Kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) mit Wärmerückgewinnung erreicht Wirkungsgrade von 80–95 %. Leckagen umgehen diese Rückgewinnung. Ein n50 ≤ 1,5 h⁻¹ ist Grundvoraussetzung für effektiven KWL-Betrieb.
Jede eingesparte Kilowattstunde Wärmebedarf durch bessere Luftdichtheit reduziert die Wärmepumpen-Laufzeit und verbessert die Jahresarbeitszahl. Bei einer JAZ von 3,5 entspricht 1 kWh Heizwärmeersparnis 0,29 kWh Strom.
Warme Innenluft, die durch Leckagen in kalte Bauteilschichten strömt, kondensiert dort. Vor allem Holzkonstruktionen sind gefährdet. Luftdichte Ausführung schützt dauerhaft vor Schimmel und Fäulnis im Bauteilinneren.
Ein zertifizierter Blower-Door-Test nach DIN EN ISO 9972 kostet für ein Einfamilienhaus typischerweise 400–700 € inklusive Protokoll und Messbericht. Bei größeren Gebäuden steigt der Preis auf 800–2.000 € je nach Gebäudevolumen und Anzahl der zu verschließenden Öffnungen. Die Kosten werden durch eingesparte Heizkosten und durch bessere Förderkonditionen bei KfW-Effizienzhäusern in aller Regel kompensiert.
Nein, ein Blower-Door-Test ist für den GEG-Nachweis nicht zwingend vorgeschrieben. Ohne gemessenen n50-Wert wird ein Pauschalwert von 3,0 h⁻¹ (mit Lüftungsanlage: 1,5 h⁻¹) in die Bilanz eingesetzt. Allerdings lohnt sich der Test, wenn das Gebäude tatsächlich luftdichter ist: Ein gemessener n50 von 1,0 h⁻¹ statt 3,0 h⁻¹ kann den berechneten Heizwärmebedarf um 8–15 kWh/(m²·a) senken – was direkt in bessere Kennzahlen und ggf. höhere Förderung mündet.
Im Bestand sind die häufigsten Leckagestellen: Anschlüsse von Dachbalken an Außenwände, Decken-Wand-Fugen im Dachgeschoss, Rollladenkästen, Revisionstüren und alte Elektrodosen auf der Außenwandinnenseite. Diese werden mit Acryl, Luftdichtheitsklebebändern oder per Blower-Door-geführter Leckagesuche gezielt abgedichtet. Ein Zwischentest während der Sanierung hilft, alle Leckagen zu finden, bevor Verkleidungen geschlossen werden.
Wird der Grenzwert (z. B. n50 ≤ 1,5 h⁻¹ bei einem Gebäude mit Lüftungsanlage) überschritten, muss nachgebessert werden. Bei KfW-Nachweis ist dies Voraussetzung für die Auszahlung der Förderung. Das Vorgehen: Leckageortung mit Blower-Door und Rauchpistole oder Thermografie, gezielte Abdichtung, erneute Messung. In der Regel lassen sich Bestandsgebäude durch Maßnahmen im Bereich 500–2.000 € auf den gewünschten Wert bringen.
Eine schlechte Luftdichtheit erhöht den Heizbedarf direkt und damit den Strombedarf der Wärmepumpe. Außerdem verursacht unkontrollierter Luftwechsel Feuchtetransport durch die Bauteile: Warme feuchte Innenluft kondensiert im Bauteilquerschnitt und schädigt Holzkonstruktionen dauerhaft. Bei mechanischer Lüftung mit Wärmerückgewinnung ist ein guter n50-Wert (≤ 1,5 h⁻¹) besonders wichtig, da sonst Kurzschlussströmungen die Wärmerückgewinnung umgehen und die Lüftungsanlage ihren energetischen Vorteil verliert.
Wir begleiten Sie vom Blower-Door-Test über die Leckageortung bis zur Bilanzierung des gemessenen n50-Werts im GEG-Nachweis.
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