Heizungsverteilung · DIN V 18599

Heizungsverteilung in DIN V 18599

Rohrdämmung nach GEG Anlage 5, hydraulischer Abgleich (Verfahren A und B), Hocheffizienzpumpen und Verteilungsverluste – systematisch im Energieaudit bewertet.

Verteilungsverluste 3–25 %
GEG Anlage 5 Dämmdicken
Verfahren A und B Abgleich
EEI < 0,23 Pumpen
3–25 %Verteilungsverluste
< 1,05Ziel-Aufwandszahl e_V
Verf. BBAFA-Förderung Abgleich
EEI < 0,23Hocheffizienzpumpe
PUMPE HK HK HK Zweirohr-Heizungsverteilung

Verteilung: Die vergessene Effizienzreserve

Nicht gedämmte Rohrleitungen in Kellern und Schächten können 15–25 % des Nutzwärmebedarfs ungenutzt an die Umgebung abgeben. Schlecht eingestellte Pumpen verbrauchen das Drei- bis Zwanzigfache moderner Hocheffizienzpumpen. Der hydraulische Abgleich – oft als bürokratische Pflichtübung abgetan – ist tatsächlich die Voraussetzung für eine funktionierende und effiziente Heizungsanlage.

DIN V 18599 erfasst diese Verluste über die Verteilungsaufwandszahl e_V und über die Hilfsenergie für Pumpen. GEG Anlage 5 schreibt konkrete Mindestdämmdicken vor. Im Energieaudit werden diese Anteile systematisch erhoben, quantifiziert und als Maßnahmen mit Wirtschaftlichkeitsrechnung ausgewiesen.

Verteilungsverluste

Wärmeverluste in der Heizungsverteilung

Die Verteilungsaufwandszahl e_V beschreibt das Verhältnis von aufgewendeter zu nutzbarer Energie. Ein schlechtes Verteilungssystem erhöht den Endenergiebedarf des gesamten Gebäudes erheblich.

Ungedämmt im Keller
15–25 %
Verlustanteil am Nutzwärmebedarf
Teilgedämmte Anlage
8–14 %
Verlustanteil bei unvollständiger Dämmung
GEG-konform gedämmt
3–6 %
Verlustanteil bei vollständiger Dämmung
Zielwert e_V
< 1,05
Verteilungsaufwandszahl Zielwert DIN V 18599

Verteilungsaufwandszahl e_V verstehen

Die Verteilungsaufwandszahl e_V quantifiziert, wie viel Energie für die Verteilung aufgewendet werden muss, um eine Einheit Nutzenergie bereitzustellen:

e_V = 1 + (Q_Rohrverlust / Q_Nutz)

  • e_V = 1,00: Idealsystem ohne Verluste (theoretisch nicht erreichbar)
  • e_V < 1,05: Gut gedämmte, kurze Leitungsführung in beheizten Bereichen – Zielwert für neue Anlagen
  • e_V 1,05–1,15: Durchschnittliche Bestandsanlage mit teilweiser Dämmung
  • e_V > 1,15: Sanierungsbedürftig – lange, ungedämmte Leitungen in kaltem Umfeld
  • Sonderfall Einrohrsystem: Temperaturgefälle entlang der Strecke, hydraulisch schwierig, e_V oft > 1,20
GEG Anlage 5

Rohrdämmung nach GEG Anlage 5

Das GEG schreibt Mindestdämmdicken für alle Wärmeverteilungsleitungen vor. Die Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Anforderungen.

Leitungstyp / Verlegung Rohraußen-∅ bzw. Nennweite Mindest-Dämmdicke Wärmeleitfähigkeit Status
Heizungsrohr in unbeheiztem Raum (Keller, Dachboden) bis DN 25 20 mm λ = 0,035 W/(mK) Pflicht GEG
Heizungsrohr in unbeheiztem Raum (Keller, Dachboden) DN 32–DN 100 Entspricht Rohraußen-∅ λ = 0,035 W/(mK) Pflicht GEG
Heizungsrohr in unbeheiztem Raum über DN 100 100 mm λ = 0,035 W/(mK) Pflicht GEG
Leitungen im Erdreich (Außenbereich) alle Dimensionen Entspricht Rohraußen-∅ λ = 0,035 W/(mK) Pflicht GEG
Leitungen im Boden oder Decke (verputzt, Schlitz) alle Dimensionen Halbe Mindestdicke λ = 0,035 W/(mK) Halbe Dicke
Leitungen angrenzend an beheizten Raum alle Dimensionen Halbe Mindestdicke λ = 0,035 W/(mK) Halbe Dicke
Kaltwasserleitung in Heizungsraum alle Dimensionen 6 mm Kondensatschutz λ = 0,035 W/(mK) Sonderregel

Praxis-Hinweise zur Rohrdämmung im Audit

  • Äquivalente Dämmdicken: Bei anderen Wärmeleitfähigkeiten als λ = 0,035 W/(mK) sind die Dämmdicken umzurechnen. Mineralwolle (λ ≈ 0,040) benötigt dickere Schichten als PUR-Schaumstoff (λ ≈ 0,028).
  • Nachrüstpflicht im Bestand: GEG § 71 schreibt für Bestandsgebäude die nachträgliche Dämmung vor. Bei Eigentümerwechsel oder wesentlicher Änderung der Anlage ist dies zu prüfen.
  • Fotos im Audit: Bei der Vor-Ort-Begehung Dämmzustand fotografisch dokumentieren; Dämmdicke, Material und Zustand (Risse, Feuchtigkeitsschäden) erfassen.
  • Schwachstellen: Flanschen, T-Stücke, Absperrarmaturen und Formteile werden häufig nicht gedämmt – gerade dort entstehen aber erhebliche Einzelverluste.
Hydraulischer Abgleich

Verfahren A und B im Vergleich

Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper die berechnete Wärmemenge erhält. Ohne Abgleich fließt zu viel Wasser durch nahe Heizkörper und zu wenig durch entfernte.

Verfahren A – Vereinfacht

  • Voreinstellung thermostatischer Ventile nach Herstellertabellen
  • Keine detaillierte Heizlastberechnung erforderlich
  • Nutzung von Ventilkennlinien und Gebäudedaten
  • Schnell durchführbar, geringere Kosten (500–1.500 €)
  • Ausreichend für einfache Gebäude und Standardsanierungen
  • Empfohlen bis ca. 6 Wohneinheiten oder einfache Bürogebäude
Nicht für BAFA-Heizungsoptimierung

Verfahren B – Ausführlich

  • Heizlastberechnung je Raum nach DIN EN 12831
  • Ermittlung des Volumenstroms je Heizkörper in l/h
  • Berechnung von Druckverlusten je Heizkreisstrang
  • Einregulierung mit kalibrierten Messgeräten
  • Einregulierungsprotokoll als Dokumentation
  • Notwendig für Nicht-Wohngebäude und komplexe Anlagen
Pflicht für BAFA Heizungsoptimierung (BEG)

Differenzdruckregler

In Anlagen mit Thermostatventilen variiert der Volumenstrom ständig (Ventile öffnen und schließen je nach Raumtemperatur). Ohne Differenzdruckregler führt das Schließen einzelner Heizkörper zu erhöhtem Druck und Strömungsgeräuschen an anderen Heizkörpern. Differenzdruckregler halten den Differenzdruck konstant und stabilisieren damit die gesamte Regelung. Investition: 200–500 € je Strang, ab ca. 10 Heizkörpern sinnvoll.

Einrohr- vs. Zweirohrsystem

Im Einrohrsystem durchfließt das Heizungswasser alle Heizkörper in Serie. Die Vorlauftemperatur sinkt mit jedem Heizkörper, was zum Komfortproblem bei langen Strängen führt. Hydraulischer Abgleich ist kaum möglich. Einrohrsysteme werden kaum noch gebaut, aber im Altbau noch häufig angetroffen. Das Zweirohrsystem (Vor- und Rücklauf getrennt) ist der Standard und ermöglicht einen guten hydraulischen Abgleich.

Hocheffizienzpumpen

Umwälzpumpen – alter Stromfresser vs. Hocheffizienz

Alte ungezügelte Pumpen sind neben Druckverlust durch fehlende Dämmung die zweite große Effizienzreserve in der Heizungsverteilung.

Alte Umwälzpumpe (ungezügelt)

80–200 W

Konstante Drehzahl, keine Bedarfsanpassung. Läuft auch bei geringer Last mit voller Leistung. Elektrische Jahresenergie: 700–1.750 kWh. Bei 0,30 €/kWh: 210–525 € Stromkosten pro Jahr, nur für eine Pumpe.

Hocheffizienzpumpe EEI < 0,23

5–25 W

Drehzahlgeregelt, Δp-variabel (folgt dem Bedarf). Elektrische Jahresenergie: 44–219 kWh. Einsparung gegenüber alter Pumpe: 600–1.500 kWh/a = 180–450 €/a. Investition 300–800 €, Amortisation 1–3 Jahre.

EEI-Index

Energy Efficiency Index: Verhältnis von gewichteter Leistungsaufnahme zur Referenzleistung. EEI < 0,23 ist gesetzlich vorgeschrieben bei Erneuerung (EU-Ökodesign-Verordnung).

Δp-Regelung

Δp-variabel: Pumpendifferenzdruck sinkt mit sinkender Last (Ventile schließen). Optimal für Systeme mit Thermostatventilen. Spart mehr als Δp-konstant.

Leistungsbedarf

Faustregel: ca. 0,1–0,3 kWh/(m²·a) für Heizungsumwälzpumpen in gut ausgelegten Systemen. Bei schlechtem Abgleich deutlich höher.

Förderung

Hocheffizienzpumpen können im Rahmen der BEG Einzelmaßnahmen über BAFA mit 15 % Zuschuss gefördert werden, wenn der hydraulische Abgleich nach Verfahren B dokumentiert ist.

Praxistipps

Checkliste Heizungsverteilung im Energieaudit

FAQ

Häufige Fragen zur Heizungsverteilung

Heizungsverteilung optimieren – wir quantifizieren Ihre Verluste

Unsere Energieauditoren erfassen Dämmzustand, Pumpenwirkungsgrad und hydraulischen Abgleich systematisch und berechnen das Einsparpotenzial mit Wirtschaftlichkeitsnachweis nach VDI 2067.

Kostenloses Erstgespräch Alle Leistungen