TGA-Audit nach DIN EN 16247

Gebäudetechnik im Energieaudit

Heizung, Lüftung, Kühlung, Beleuchtung und Gebäudeautomation systematisch erfassen und bewerten — so werden TGA-Einsparpotenziale sicher identifiziert.

Alle Anlagensysteme vollständig aufnehmen
Ist-Wirkungsgrade messen & bewerten
Betriebszustand und Regelung prüfen
10–30 %Einsparung durch GLT-Optimierung
50–80 %weniger Beleuchtungsenergie durch LED
40–60 %Aufzugsstrom gespart (Antriebstausch)

TGA-Systeme im Überblick

Alle energierelevanten Anlagengruppen der Technischen Gebäudeausrüstung werden im Energieaudit vollständig erfasst

Heizung
  • Kesseltyp & Baujahr
  • Nennleistung & Wirkungsgrad
  • Vorlauf-/Rücklauftemperaturen
  • Umwälzpumpen (Effizienzklasse)
  • Wärmemengenzähler vorhanden?
Lüftung
  • Volumenstrom [m³/h]
  • Betriebsstunden & Regelung
  • WRG-Typ & Effizienz [%]
  • Filterzustand & Druckverlust
  • SFP-Wert Ventilatoren
Kühlung
  • Kälteleistung [kW]
  • EER / SCOP / COP
  • Kältemittel (F-Gas-Pflicht)
  • Verflüssigertemperatur
  • Freikühlung vorhanden?
Beleuchtung
  • Installierte Leistung [W/m²]
  • Leuchtmitteltypen
  • Betriebsstunden je Zone
  • Steuerungsart (Präsenz, Tageslicht)
  • Beleuchtungsstärke [lx] (Soll/Ist)
Warmwasser
  • Bereitung zentrall/dezentral
  • Speichervolumen & -verluste
  • Zirkulationspumpenlaufzeit
  • Legionellenschutztemperatur
Gebäudeautomation
  • GLT-System & Anbindungsgrad
  • Betriebsprogramme & Zeitpläne
  • Regelabweichungen & Fehler
  • Fensterkontakte & Präsenz-sensor

Heizungsanlage — was wird aufgenommen?

Die Heizungsanlage ist in Nichtwohngebäuden oft der größte Einzelverbraucher. Im Energieaudit wird der vollständige Wärmeerzeuger mit Kesseltyp (Brennwert, Niedertemperatur, Wärmepumpe, Pellets, BHKW), Baujahr, Nennleistung und dokumentiertem Wirkungsgrad aufgenommen.

Wärmemengenzähler sind entscheidend für eine belastbare Ist-Analyse: Fehlen sie, kann der Nutzwärmeanteil nur grob geschätzt werden. Die Vorlauf- und Rücklauftemperaturen geben Aufschluss über die hydraulische Einregulierung — hohe Spreizungen (15–20 K) sind ein Zeichen gut eingestellter Anlagen; geringe Spreizungen (unter 5 K) deuten auf Überströmung hin.

Umwälzpumpen werden auf ihre Effizienzklasse geprüft: Alte Stufenpumpen ohne Elektronik (Effizienzklasse D/E) können durch hocheffiziente EC-Pumpen (Klasse A) ersetzt werden und sparen 50–80 % des Pumpenstromverbrauchs.

Kesseltyp
Jahreswirkungsgrad
η typisch
NT-Kessel (alt)
78 – 84 %
Brennwertkessel Gas
90 – 96 %
Pelletkessel
85 – 92 %
Wärmepumpe (JAZ)
JAZ 3,0–4,5
BHKW (el. WG)
Ges. 85–90 %

Lüftungsanlage — Aufnahme und Optimierung

Lüftungsanlagen sind oft unterschätzte Energieverbraucher — Ventilatorstrom, WRG-Effizienz und Betriebszeiten haben großen Einfluss

Volumenstrom & Betriebsstunden
Der Nenn-Volumenstrom [m³/h] aus dem Typenschild wird mit dem tatsächlich gemessenen Volumenstrom verglichen. Abweichungen über 15 % deuten auf Filterverschmutzung, Netz-Druckverluste oder Falscheinstellungen hin. Betriebsstunden werden aus Zeitschaltprogrammen oder Loggeranschluss ermittelt und mit der tatsächlichen Nutzungszeit abgeglichen.
15 %
max. Abweichung Soll/Ist
2–3 Pa
Druckabfall sauberer Filter
Wärmerückgewinnung (WRG)
Die WRG-Effizienz wird aus Zuluft- und Ablufttemperaturen vor und nach dem Wärmetauscher berechnet. Plattenwärmetauscher erreichen 75–85 %, Rotationswärmetauscher 80–90 %. Verschmutzter Filter oder verklemmte Lüftungsklappen können die Effizienz auf unter 50 % senken. Der WRG-Typ (Platten-, Rotations-, Kreuzgegenstrom) wird dokumentiert.
75–90 %
WRG-Effizienz (Soll)
<50 %
Warnschwelle
Ventilatorstrom & SFP
Der Spezifische Ventilatoraufwand (SFP) [W·s/m³] ist ein Qualitätskennwert für Lüftungsanlagen. Moderne Anlagen erreichen SFP < 1.500 W·s/m³; ältere Anlagen mit EC-Ventilatoren haben oft SFP > 2.500. Die elektrische Leistungsaufnahme der Ventilatoren wird am Schaltschrank gemessen. Ein FU-Nachrüstsatz an bestehenden Ventilatoren senkt den Stromverbrauch bei Teillast erheblich.
<1.500
SFP-Zielwert W·s/m³
30–50 %
Stromeinsparung mit FU
Filterwartung & Betriebszustand
Verstopfte Filter erhöhen den Druckverlust im Netz und zwingen die Ventilatoren zu höherer Leistungsaufnahme. Im Audit wird der Filterzustand visuell bewertet und der Differenzdruck über dem Filter gemessen. Wartungsnachweise (Filterwechselintervalle) werden eingesehen. Regelmäßiger Filterwechsel (halbjährlich) spart dauerhaft 5–10 % Ventilatorstrom.
6 Mon.
Filterwechsel-Intervall
5–10 %
Stromersparnis

Kälteerzeugung im Energieaudit

EER, SCOP und Kühlwassertemperatur sind die entscheidenden Stellschrauben für mehr Kälteeffizienz

Kennwert / Maßnahme
Beschreibung
Typischer Ist-Wert
Optimierungspotenzial
EER (Kältezahl)
Kälteleistung ÷ Aufgenommene el. Leistung im Nennpunkt
2,5 – 3,5 (Altanlage)
4,5 – 6,0 (Neuanlage)
SCOP (Jahreszahl)
Saisonale Effizienz über alle Betriebspunkte des Jahres
2,0 – 2,8 (alt)
3,5 – 5,0 (modern)
Kühlwassertemperatur
Höhere Kühlwasser-Rücklauftemperatur verbessert COP deutlich
6/12 °C (Standardkälte)
14/18 °C möglich prüfen
Freikühlung
Kühlung über Außenluft/Kühlturm bei niedrigen Außentemperaturen
Häufig nicht genutzt
bis 30 % el. Einsparung
Verflüssigertemperatur
Je niedriger, desto besser — saubere Kühltürme und ausreichend Luftdurchsatz
45–55 °C (verschmutzt)
35–40 °C (gepflegt)
F-Gas-Meldepflicht
Kältemittel mit GWP > 2.500 ab 2020 verboten; Dichtheitsprüfung Pflicht
Prüfung im Audit
Retrofit auf A2L-Kältemittel prüfen

Beleuchtungsaufnahme im Energieaudit

Leuchtmitteltyp, installierte Leistungsdichte und Steuerung bestimmen den Beleuchtungsstromverbrauch

Quecksilberdampf HQL
15 – 20
Lumen/Watt
verbreitet in Industriehallen, verboten ab 2015
Leuchtstoffröhre T8
60 – 80
Lumen/Watt
Büros & Flure, häufig noch im Bestand
Leuchtstoffröhre T5
85 – 100
Lumen/Watt
Weiterentwicklung T8, effizienter — Retrofit mit LED möglich
LED (modern)
120 – 180
Lumen/Watt
Stand der Technik — 50–80 % weniger Strom als T8
Empfehlung

Beleuchtungssteuerung: Einsparung durch Regelung

Präsenzsensor
Licht schaltet automatisch ab, wenn kein Mensch im Raum. Besonders wirksam in Toiletten, Treppenhäusern, Besprechungsräumen.
Einsparung: 20–40 %
Tageslichtsteuerung
Helligkeit wird an natürliches Tageslicht angepasst — Dimmen statt Vollbetrieb bei ausreichend Einstrahlung.
Einsparung: 15–30 %
Zeitschalter
Betrieb nur während Kernarbeitszeiten. Einfache Maßnahme — oft werden Lichter in Fluren oder Werkstätten unnötig dauerhaft betrieben.
Einsparung: 10–25 %
Ungesteuert (Ist-Zustand)
Manuelle Ein/Aus-Schaltung ohne Automatik. Im Audit häufig angetroffener Zustand — großes Optimierungspotenzial durch Nachrüstung.
Kein automatisches Abschalten

Betriebszustand der TGA bewerten

Im Energieaudit wird jede Anlage nicht nur aufgenommen, sondern auch in ihrem aktuellen Betriebszustand bewertet. Das Drei-Farben-Schema hilft bei der Priorisierung von Maßnahmen im Auditbericht.

Grün — kein Handlungsbedarf
Anlage in gutem Zustand, Wartung aktuell, Wirkungsgrad im Sollbereich, Betriebsprogramme korrekt eingestellt.
Gelb — Optimierungsbedarf
Anlage funktioniert, aber Betriebsparameter suboptimal. Maßnahmen empfohlen: Nachrüstung, Regelungsanpassung, Wartungsintervall verkürzen.
Rot — dringender Handlungsbedarf
Anlage deutlich unter Nennwirkungsgrad, Wartungsrückstand, Fehlfunktion oder Austauschreife erreicht. Wirtschaftlichkeitsrechnung für Ersatz empfohlen.

Gebäudeautomation als Energiehebel

Eine zeitgemäße GLT/BMS kann den Energieverbrauch um 10–30 % senken — ohne bauliche Eingriffe

Bedarfsgerechte Betriebszeiten

Alle Anlagensysteme werden automatisch auf Nutzungszeiten und Wochenenden abgestimmt. Nachtabsenkung der Heizung und Abschaltung der Lüftungsanlage außerhalb der Nutzung sparen direkt Energie.

Fensterkontakt-Abschaltung

Heizung und Kühlung werden automatisch abgeschaltet, wenn Fenster geöffnet werden. Häufig angetroffene Fehlfunktion im Audit: Heizung läuft obwohl gekippt — vermeidbare Verluste von 10–20 %.

Gleitende Vorlauftemperatur

Die Heizungsvorlauftemperatur wird automatisch an die Außentemperatur angepasst (Heizkurve). Zu hohe Vorlauftemperaturen erhöhen den Kesselverlust und verhindern die Brennwertkondensation bei Gasbrennwertkesseln.

Regelabweichungen erkennen

Ein verbundenes BMS zeigt Sollwertabweichungen und Anlagenfehler in Echtzeit. Im Audit werden Logdaten ausgelesen um systematische Über-/Untertemperaturen, Dauerlauf oder fehlerhafte Zeitprogramme zu identifizieren.

Einzelraumregelung

In Bürogebäuden mit vielen Nutzungsprofilen erlaubt eine Einzelraumregelung bedarfsgerechte Heizung je Raum. Kombiniert mit Präsenzsensoren lässt sich der Heizwärmeverbrauch in Büros um 15–25 % senken.

Lastmanagement

Spitzenlastreduzierung durch Lastverschiebung schützenswerter Großverbraucher. Im Audit werden Lastprofil-Daten des Energieversorgers ausgewertet, um den Leistungspreis zu senken — relevant bei Anschlussleistungen über 100 kW.

Häufige Fragen zur Gebäudetechnik

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur TGA-Aufnahme im Energieaudit

Im Energieaudit nach DIN EN 16247 werden alle energierelevanten Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) erfasst: Heizung (Kessel, Wärmepumpen, Verteilleitungen, Pumpen), Lüftung (Zentralanlagen, dezentrale Geräte, Wärmerückgewinnung), Kühlung (Kältemaschinen, Freikühler, Kühldecken), Beleuchtung (installierte Leistung, Leuchtmitteltypen, Steuerung), Warmwasserversorgung sowie Gebäudeautomation. Aufzüge, Server und USV-Systeme werden als Sonderverbraucher ebenfalls berücksichtigt.
Der Ist-Wirkungsgrad einer Heizungsanlage wird aus dem Verhältnis abgegebener Nutzwärme (aus Wärmemengenzähler) zu zugeführter Energie (aus Verbrauchsabrechnung) über einen repräsentativen Zeitraum ermittelt. Fehlt ein Wärmemengenzähler, wird der Wirkungsgrad aus dem Typenschild und Korrekturfaktoren für Teillast, Betriebstemperatur und Taktbetrieb abgeschätzt. Messungen von Vorlauf- und Rücklauftemperaturen geben zusätzlich Aufschluss über die hydraulische Einregulierung.
Bei der Lüftungsanlage werden Fabrikat, Baujahr, Nennvolumenstrom [m³/h], tatsächliche Betriebsstunden, Filterzustand und Druckverlust im Netz aufgenommen. Die Effizienz der Wärmerückgewinnung (WRG) wird aus Typenschild oder Messung ermittelt. Die elektrische Leistungsaufnahme der Ventilatoren wird gemessen. Regelparameter (Zeitprogramme, Sollwerte) werden mit den tatsächlichen Nutzungszeiten abgeglichen.
Ja, Aufzüge sind als elektrische Verbraucher im Energieaudit aufzunehmen, wenn ihr Anteil am Gesamtverbrauch relevant ist. Besonders ältere hydraulische Aufzüge ohne Frequenzumrichter verbrauchen deutlich mehr Energie als moderne Traktionsantriebe mit Rückspeisung. Im Audit werden Antriebstyp, Baujahr und geschätzte Betriebsstunden erfasst. Ein Austausch von Hydraulik- auf Traktionsantrieb kann den Aufzugsstromverbrauch um 40–60 % senken.
Eine zeitgemäße Gebäudeautomation (GLT/BMS) kann den Energieverbrauch um 10–30 % senken, ohne bauliche Maßnahmen. Konkrete Hebel sind bedarfsgerechte Betriebszeiten aller Anlagen, Nachtabsenkung und Wochenendabschaltung, automatische Fensterkontakte zur Abschaltung der Heizung bei geöffneten Fenstern, Einzelraumregelung in Büros sowie gleitende Vorlauftemperaturen nach Außentemperatur. Im Audit werden Regelabweichungen, veraltete Betriebsprogramme und fehlende Sensorik identifiziert.