Netzentgelte machen bei vielen Industrieunternehmen 20–40 % der Stromkostenrechnung aus – und werden oft als unvermeidlich hingenommen. ISO 50001 schafft die Datengrundlage, um Lastspitzen zu erkennen, Netzentgeltsbefreiungen nach § 19 StromNEV zu beantragen und durch gezieltes Lastmanagement erhebliche Einsparungen zu erzielen.
Die Netzentgeltrechnung eines Industriekunden setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die sehr unterschiedlich beeinflussbar sind:
Entscheidend für den Betrieb: Das Netz wird nicht nach tatsächlicher Nutzung, sondern nach maximaler Inanspruchnahme abgerechnet. Eine einzige kurze Lastspitze – etwa durch den gleichzeitigen Anlauf mehrerer Motoren – legt den Leistungspreis für das gesamte Abrechnungsjahr fest.
Leistungspreise variieren je Netzbetreiber und Spannungsebene. Richtwerte.
Die Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) sieht für bestimmte Verbrauchergruppen erhebliche Entlastungen vor. Eine frühzeitige Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen kann die Netzentgeltzahlungen um mehrere 100.000 € pro Jahr senken.
Voraussetzungen und Fristen werden jährlich vom Netzbetreiber bekannt gegeben. Antragsfrist meist 01.10. des Vorjahres. Rechtliche Beratung empfohlen.
Netzentgelte sind kein fixes Schicksal. Mit den richtigen Maßnahmen – verankert im ISO-50001-Aktionsplan – lassen sich Leistungspreiskosten systematisch und dauerhaft senken.
Auswertung der Viertelstundenwerte aus dem RLM-Zähler über mindestens 12 Monate. Identifikation der Jahreshöchstlast und der Zeitpunkte ihres Auftretens. Visualisierung von Lastspitzen im Tages-, Wochen- und Jahresverlauf – als Grundlage aller weiteren Maßnahmen. Im ISO-50001-EnMS wird die Jahreshöchstlast als Energieleistungsindikator (EnPI) erfasst und monatlich überwacht.
Flexible Verbraucher wie Druckluft-Kompressoren, Kühlanlagen, Pumpen und Ladeinfrastruktur werden in Schwachlastzeiträume verschoben. Anlaufzeiten großer Motoren werden gestaffelt, um gleichzeitige Hochläufe zu verhindern. Diese organisatorischen Maßnahmen erfordern meist nur minimale Investitionen und sind sofort als ISO-50001-Aktionspläne dokumentierbar.
Ein Lithium-Batteriespeicher lädt in Schwachlastzeiten auf und entlädt automatisch, sobald die Leistungsaufnahme einen definierten Schwellwert überschreitet (Peak Shaving). Bei einem hohen Leistungspreis ab ca. 80 €/kW/a und regelmäßigen Spitzen ist die Wirtschaftlichkeit in der Regel gegeben. BESS-Anlagen werden im ISO-50001-EnMS als Teil der Energieinfrastruktur mit klaren Betriebsparametern gemäß Betrieb dokumentiert.
Der Arbeitspreis (ct/kWh) wird für jede verbrauchte Kilowattstunde berechnet – er ist mengenabhängig und vergleichbar mit dem Wasserzähler. Der Leistungspreis (€/kW/a) hingegen richtet sich ausschließlich nach der Jahreshöchstlast: dem höchsten 15-Minuten-Mittelwert der bezogenen Wirkleistung im gesamten Abrechnungsjahr. Das Tückische: Bereits eine einzige kurze Lastspitze – zum Beispiel durch den gleichzeitigen Anlauf mehrerer großer Motoren – legt den Leistungspreis für das gesamte Folgejahr fest, selbst wenn die Spitze nur wenige Minuten andauert. Bei einem Leistungspreis von 80 €/kW und 500 kW Jahreshöchstlast entstehen 40.000 €/a allein für diesen Posten – unabhängig davon, wie selten die Spitze tatsächlich auftrat.
Anträge nach § 19 StromNEV können industrielle Letztverbraucher stellen, die definierte Schwellenwerte überschreiten. Für atypische Netznutzung (§ 19 Abs. 2) muss nachgewiesen werden, dass die Last in den vom Netzbetreiber veröffentlichten Hochlastzeitfenstern (HLZ – meist 15–20 Stunden pro Jahr, typisch Winter-Abende 17–19 Uhr) auf unter 15 % der eigenen Durchschnittslast sinkt. Für individuelle Netzentgelte (§ 19 Abs. 3) ist ein Jahresverbrauch von mindestens 10 GWh bei mehr als 7.000 Benutzungsstunden/Jahr erforderlich. Voraussetzung in allen Fällen: ein RLM-Zähler, der die benötigten Viertelstundenwerte liefert. Der Antrag ist beim zuständigen Verteilnetzbetreiber zu stellen – die Antragsfristen liegen meist am 01.10. des Vorjahres.
ISO 50001 schafft die strukturelle Grundlage, die für eine erfolgreiche Netzentgeltoptimierung benötigt wird: Die Norm fordert die systematische Identifikation signifikanter Energieverbraucher (SEUs), die Festlegung und regelmäßige Auswertung von Energieleistungsindikatoren (EnPIs) – wie der Jahreshöchstlast in kW – sowie die Planung und Umsetzung konkreter Maßnahmen zur Energieleistungsverbesserung (Energieanalyse / Energieaspekte). Lastmanagement- und Peak-Shaving-Maßnahmen können direkt als dokumentierte Aktionspläne in das EnMS integriert werden. Zusätzlich liefern die RLM-Lastgangdaten, die im EnMS ausgewertet werden, exakt die Nachweise, die für §-19-StromNEV-Anträge beim Netzbetreiber benötigt werden. ISO 50001 ist damit nicht nur Norm, sondern aktives Werkzeug zur Kostensenkung.
Die Wirtschaftlichkeit eines Batteriespeichers (BESS) zur Spitzenlastkappung hängt von drei Faktoren ab: dem lokalen Leistungspreis des Netzbetreibers, der Häufigkeit und Höhe der Lastspitzen sowie den Investitionskosten des Systems. Als Faustregel gilt: Bei einem Leistungspreis über 80 €/kW/a und einer jährlichen Einsparung von mehr als 20.000 € Leistungspreiskosten ist eine Amortisation in 5–8 Jahren realistisch. Ein 500-kW-BESS kann die Jahreshöchstlast typischerweise um 200–400 kW senken und damit 16.000–32.000 €/a an Leistungspreiskosten einsparen. Entscheidend ist die Analyse der Lastprofilkurve: Treten wenige, sehr hohe Spitzen auf, ist ein Speicher effektiver als bei einem breiten, flachen Lastprofil. In Kombination mit PV-Eigenversorgung und Demand-Response-Teilnahme lässt sich die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessern.
Wir analysieren Ihre RLM-Lastgangdaten, identifizieren Lastspitzen und prüfen §-19-StromNEV-Antragsvoraussetzungen – mit konkreter Einsparpotenzialrechnung.
Beratung anfragenLeistungspreise und §-19-StromNEV-Bedingungen variieren je Netzbetreiber und werden jährlich neu festgesetzt. Die Angaben sind Richtwerte. Für rechtsverbindliche Auskünfte ist der zuständige Verteilnetzbetreiber maßgeblich.