Die Wahl der richtigen Berechnungssoftware entscheidet über Arbeitsaufwand, Genauigkeit und amtliche Verwendbarkeit des Energienachweises. Diese Übersicht stellt die wichtigsten Werkzeuge sachlich vor — von DIBt-zertifizierten Standardlösungen bis zu dynamischen Simulationsumgebungen.
Für den amtlichen GEG-Nachweis ist eine DIBt-Zulassung (Deutsches Institut für Bautechnik) zwingend erforderlich. Das DIBt prüft Berechnungssoftware anhand standardisierter Referenzgebäude und verifiziert die Normenkonformität mit den gültigen technischen Regeln.
DIBt-Zulassungsprozess: Die Software muss anhand vorgegebener Referenzgebäude (Vergleichsrechnungen mit bekannten Sollwerten) eine Übereinstimmung der Ergebnisse innerhalb festgelegter Toleranzen nachweisen. Die Zulassung ist zeitlich befristet und muss bei Normänderungen erneuert werden. Nicht zugelassene Software (z.B. Open-Source-Tools) darf für Planungszwecke und interne Analysen eingesetzt werden, gilt aber nicht als amtlicher Nachweis.
Berechnung monatsweise mit gemittelten Klimadaten (Testreferenzjahr TRY). Aufwand: 1–3 Tage Modellerstellung. Genauigkeit: ausreichend für Standardgebäude und Regelnachweis. Basis aller DIBt-zugelassenen GEG-Berechnungsprogramme.
Berechnung stündlich mit Monatsmittelwerten als Basis. Ermöglicht Tagesprofil-Auflösung bei überschaubarem Rechenaufwand. Mittelweg zwischen statisch und dynamisch — von einigen deutschen Softwareprodukten unterstützt.
Berechnung stündlich oder minütlich mit tatsächlichen Klimazeitreihen. Aufwand: 3–10 Tage Modellerstellung. Genauigkeit: 5–15 % besser als statisch bei Speichermassen, Regelungsszenarien und Sonderprojekten.
Die folgende Übersicht beschreibt führende Berechnungstools sachlich und ohne Wertung. Preise und Verfügbarkeit können sich ändern — Angaben basieren auf öffentlich verfügbaren Informationen (Stand 2025).
Vollständige dynamische Gebäudesimulation auf Stundenbasis. Schwedische Software mit internationaler Verbreitung. Besonders geeignet für komplexe Projekte mit ausgefeilten Regelungsszenarien, Komfortbewertungen und Speichermassenoptimierung. Hohe Lernkurve: Einarbeitung 2–5 Tage.
Freie Simulationsengine des US-Energieministeriums (DOE). Keine eigene GUI — Bedienung über OpenStudio oder DesignBuilder (letzteres kostenpflichtig). Nicht DIBt-zugelassen, daher nicht für amtliche GEG-Nachweise verwendbar. Für Forschung, Variantenvergleiche und Spezialprojekte weltweit verbreitet.
Marktführende Lösung im deutschen Energieberatungsmarkt. Vollständige DIBt-Zulassung für GEG-Nachweise bei Wohn- und Nichtwohngebäuden. Integrierter Energieausweis-Druck, GEG-Konformitätsprüfung und Sanierungsfahrplan-Modul. Breite Nutzung bei deutschen Energieberatern, guter Support und regelmäßige Updates bei Normenänderungen.
Digitales Werkzeug der Deutschen Energie-Agentur für den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Kostenfrei für BEG-zugelassene Energieberater. Vereinfachte Berechnungsgrundlage — kein vollständiger DIN V 18599-Nachweis, aber für Wohngebäude-Sanierungsberatung weitgehend ausreichend. Direkte dena-Schnittstelle für den Sanierungsfahrplan-Druck.
Excel-basiertes Berechnungswerkzeug des Passivhausinstituts Darmstadt. Keine DIBt-Zulassung für GEG-Nachweise von Nichtwohngebäuden. Sehr gut für Planungsoptimierung bei Niedrigenergie- und Passivhäusern im Wohnungsbau. Ergebnisse liegen typischerweise innerhalb 10 % gegenüber DIBt-zugelassenen Programmen bei einfachen Geometrien.
Grafische Benutzeroberfläche für EnergyPlus mit 3D-Modellierung direkt in der Software. Internationale Verbreitung in Ingenieurbüros. Gut geeignet für komplexe Nichtwohngebäude mit anspruchsvoller Geometrie. Schnittstellen zu IFC/Revit vorhanden. Kein direkter GEG-Nachweis DE — Ergebnisse müssen interpretiert werden.
| Kriterium | Hottgenroth / ETU | IDA-ICE | EnergyPlus | iSFP-Tool | PHPP |
|---|---|---|---|---|---|
| DIBt-Zulassung GEG NWG | Ja | Ja* | Nein | Nein | Nein |
| Dynamische Simulation | Nein | Ja | Ja | Nein | Nein |
| BIM/IFC-Import | Teilweise | Ja | Ja | Nein | Nein |
| Geeignet Wohngebäude | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Geeignet Nichtwohngebäude | Ja | Ja | Ja | Nein | Eingeschränkt |
| Einarbeitungsaufwand | Gering | Hoch | Sehr hoch | Sehr gering | Gering |
| Kostenniveau | Mittel | Hoch | Gering | Null | Sehr gering |
| Energieausweis-Druck | Ja | Über Export | Nein | Ja (WG) | Nein |
* IDA-ICE: DIBt-Zulassung in bestimmten Modulkonfigurationen, Details beim Hersteller anfragen. Markt ist im Wandel — immer aktuelle DIBt-Zulassungsliste prüfen.
Unabhängig von der gewählten Software folgt die Gebäudeenergieberechnung einem standardisierten Ablauf. Das folgende Diagramm zeigt die typischen Prozessschritte und ihre zeitlichen Anteile am Gesamtaufwand.
IFC-Schnittstellen (Industry Foundation Classes) ermöglichen den Export von Gebäudegeometrie und Bauelementen aus CAD-Programmen in Berechnungssoftware. In der Praxis sind folgende Einschränkungen zu beachten:
| Kostenposition | Einstiegs-Tool | Professional-Tool | Dynamische Simulation |
|---|---|---|---|
| Jahreslizenz / Anschaffung | 0–500 € | 800–2.000 €/a | 3.000–8.000 € |
| Schulungsaufwand (Tage) | 0,5–1 | 1–3 | 3–10 |
| Schulungskosten (intern) | 200–500 € | 500–2.000 € | 2.000–8.000 € |
| Zeitersparnis vs. manuell | 30–50 % | 50–65 % | 40–60 % (nach Einarbeitung) |
| Amortisation (Audits) | 1–3 | 5–12 | 15–30 |
| Empfohlen für | Wohngebäude, Einzelberater | NWG-Berater, mittlere Büros | Spezialbüros, Sonderprojekte |
Empfehlung: iSFP-Tool (dena) — kostenfrei, amtlich für Wohngebäude, direkte dena-Schnittstelle. Für Energieausweis zusätzlich ein DIBt-zugelassenes Wohngebäude-Programm.
Empfehlung: DIBt-zugelassene deutsche Standardsoftware (z.B. Hottgenroth ETU). Geringe Einarbeitungszeit, vollständiger GEG-Nachweis, integrierter Energieausweis, guter Support.
Empfehlung: IDA-ICE für maximale Genauigkeit und Regelungsdetails. Oder DesignBuilder als EnergyPlus-Frontend bei Bedarf an 3D-Modellierung und IFC-Import. Budget für Schulung einplanen.
Empfehlung: EnergyPlus / OpenStudio (kostenfrei). Maximale Flexibilität und Transparenz, aber erheblicher Einarbeitungsaufwand. Nicht als amtlicher GEG-Nachweis verwendbar.