Präsenzsteuerung

Präsenzsteuerung für Beleuchtung — kP-Faktor, Sensortechnologien & Einsparpotenziale

Beleuchtung brennt in leeren Räumen — das ist der häufigste Energieverschwendungsgrund im Büro. Automatische Präsenzsteuerung beseitigt dieses Problem und senkt den Beleuchtungsstrombedarf um 40–80 % je Raumtyp.

kP-Faktor von 1,0 bis 0,4 erklärt
PIR, HF und Ultraschall im Vergleich
Einsparpotenziale je Raumtyp
kP 0,4optimale Regelung
80 %Einsparung Sanitär
2–4 J.Amortisation

Der kP-Präsenzfaktor — Definition und Stufenskala

Der kP-Faktor in der Beleuchtungsbilanz beschreibt das Verhältnis zwischen tatsächlicher und maximal möglicher Nutzungszeit der Beleuchtung. Er erfasst, wie gut ein Gebäude Licht in unbenutzten Räumen abschaltet.

kP-Faktor — Stufenskala von 1,0 (keine Regelung) bis 0,4 (optimal)
1,0
Keine Regelung
Beleuchtung läuft die gesamte Betriebszeit — unabhängig ob Personen anwesend sind
0,8
Manuelle Schaltung
Schalter vorhanden, aber Personen vergessen häufig das Ausschalten beim Verlassen
0,6
Auto-Abschaltung
Automatischer Präsenzsensor schaltet Licht bei Abwesenheit ab — keine Tageslichtregelung
0,4
Präsenz + Tageslicht
Optimale Kombination: Licht schaltet nur ein, wenn Person anwesend UND Helligkeit unzureichend

Der Unterschied zwischen kP = 1,0 und kP = 0,4 bedeutet eine Halbierung des Beleuchtungsstrombedarfs durch Regelungstechnik allein — ohne jede Investition in neue Leuchten. Bei einem Bürogebäude mit 100.000 kWh/a Beleuchtungsstrom und 0,22 €/kWh entspricht das einer Ersparnis von rund 13.200 € pro Jahr.

Sensortechnologien im Vergleich: PIR, HF und Ultraschall

Je nach Raumgeometrie, Nutzungsart und geforderter Erkennungsempfindlichkeit sind verschiedene Sensorprinzipien besser oder schlechter geeignet. Der Gebäudeauditor bewertet vorhandene Sensoren und empfiehlt die geeignete Technologie je Zone.

PIR — Passiv-Infrarot
PrinzipWärmestrahlungs-Bewegung
Reichweite6–10 m
Erkennungswinkel120–180°
Durch WändeNein
Preis (Einzel)50–120 €
Ideal für Flure, Treppenhäuser, Sanitärräume und Einzelbüros. Erkennt nur Bewegung, nicht statische Präsenz — kurze Nachlaufzeit wichtig.
HF — Hochfrequenz / Mikrowelle
PrinzipDoppler-Radareffekt
Reichweite10–20 m
Erkennungswinkel360°
Durch WändeEingeschränkt möglich
Preis (Einzel)80–200 €
Ideal für Großraumbüros, Lagerhallen und Bereiche mit Sichtbarrieren. Höhere Empfindlichkeit, erkennt auch feine Bewegungen (Tippen an Tastatur).
Ultraschall
PrinzipSchallwellen-Reflexion
Reichweite5–8 m
Erkennungswinkel120°
Durch WändeNein
Preis (Einzel)60–150 €
Sehr feinfühlig, erkennt kleinste Bewegungen. Ideal für WC-Kabinen und Sanitärräume, wo PIR-Sensoren durch Trennwände geblockt werden.

Energieeinsparung durch Präsenzsensoren je Raumtyp

Das Einsparpotenzial durch Präsenzregelung hängt stark vom Raumtyp ab. Räume mit kurzen und unregelmäßigen Nutzungszeiten — wie Flure, Sanitärräume und Lager — profitieren am stärksten. Die Werte beziehen sich auf automatische Abschaltung (kP = 0,6) gegenüber ungeregeltem Betrieb (kP = 1,0).

Sanitär / WC
70–80 %
70–80 %
Lagerhalle
65–80 %
65–80 %
Flur / Gang
60–75 %
60–75 %
Besprechungsraum
50–65 %
50–65 %
Einzelbüro
40–55 %
40–55 %
Großraumbüro
25–40 %
25–40 %

Einsparungen mit kombinierter Präsenz- und Tageslichtregelung (kP = 0,4 gegenüber kP = 1,0) sind nochmals 15–25 Prozentpunkte höher als bei reiner Präsenzregelung.

Nachlaufzeiten — Balance zwischen Einsparung und Komfort

Die Nachlaufzeit ist der entscheidende Komfortparameter: Sie verhindert, dass das Licht abschaltet, während Personen noch anwesend sind (z. B. beim ruhigen Lesen). Zu kurze Nachlaufzeiten erzeugen Frustration; zu lange Nachlaufzeiten reduzieren die Einsparung.

1–3 min
WC-Kabine / Einzeltoilette
Sehr kurze Aufenthalte; kurze Nachlaufzeit sinnvoll
5–8 min
Flur / Treppenhaus
Transitbereich; Sicherheitsaspekt beachten
10–15 min
Einzelbüro / Besprechung
Ruhige Tätigkeiten; längere Nachlaufzeit nötig
15–30 min
Großraumbüro
Viele Personen; Abschaltung nur in Randzeiten effektiv
30–60 min
Lagerhalle
Bereichsweise Abschaltung; längere Toleranz bei Gabelstapler-Betrieb
5–10 min
Pausenraum / Kantine
Stoßweise Nutzung; Sensor mit großem Erfassungsbereich

Kombination: Präsenzregelung + Tageslichtsteuerung

Die Kombination beider Regelungsprinzipien erzielt die maximale Einspartiefe. Das Licht schaltet nur dann ein, wenn gleichzeitig eine Person anwesend ist und die natürliche Beleuchtungsstärke im Raum unter dem Sollwert liegt.

Logik der Kombination: Präsenz UND Tageslicht

Schaltlogik — vier Zustände

1
Person da + dunkel → Kunstlicht ein, auf Sollwert dimmen
2
Person da + hell → Kunstlicht aus oder minimal; Tageslicht reicht
3
Person weg + dunkel → Kunstlicht aus (nach Nachlaufzeit)
4
Person weg + hell → Kunstlicht aus; kein Bedarf

Energieergebnis

Ohne Regelung (kP = 1,0, kA = 1,0): voller Bedarf = Bezugswert 100 %

Nur Präsenz (kP = 0,6): −40 % Beleuchtungsstrom

Nur Tageslicht (kA = 0,5): −50 % Beleuchtungsstrom

Kombination (kP × kA = 0,4 × 0,5 = 0,2): −80 % Beleuchtungsstrom

Installationskosten und typische Amortisationszeiten

Präsenzregelung gehört zu den wirtschaftlichsten Beleuchtungsmaßnahmen: geringe Investition, hohe Einsparwirkung, schnelle Amortisation. Die folgende Tabelle zeigt typische Kosten und Amortisationszeiten je Anwendungsfall.

Anwendungsfall Investition Jährl. Einsparung Amortisation
Einzel-PIR-Sensor (Sanitär)50–120 €40–80 €/a1–2 Jahre
DALI-Sensor mit Dimmer (Büro)150–300 €80–160 €/a1–3 Jahre
Büroetage 10 Räume inkl. Installation3.000–6.000 €1.200–2.400 €/a2–4 Jahre
Lagerhalle 1.000 m² mit HF-Sensoren4.000–8.000 €3.000–5.000 €/a1–2 Jahre
Vollständige GLT-Integration KNX15.000–40.000 €8.000–15.000 €/a2–4 Jahre

DALI-Integration und normative Grundlagen

Für anspruchsvollere Anlagen empfiehlt sich die Integration der Präsenzsensorik in DALI-Steuersysteme (Digital Addressable Lighting Interface). Dies ermöglicht individuelle Adressierbarkeit, Dimmfunktion und Anbindung an die Gebäudeleittechnik.

DALI-Standard IEC 62386

Internationaler Standard für digitale Lichtsteuersysteme. Bis zu 64 adressierbare Geräte pro Segment; bidirektionale Kommunikation ermöglicht Statusrückmeldung (Lampe defekt, Dimmstufe).

KNX / BACnet Integration

Über DALI-KNX-Gateways lassen sich Präsenzmeldungen an die GLT übergeben. Heizung und Lüftung können raumweise auf Komfort- oder Absenkbetrieb geschaltet werden.

DIN EN 15193-1

Berechnet den LENI (Lighting Energy Numeric Indicator) in kWh/(m²a) für Gebäude — das europäische Gegenstück zur deutschen Bedarfsberechnung. Vergleichswerte für Benchmarking verfügbar.

VDI 3814 Blatt 1

Regelt die Planung und Ausführung von Gebäudeautomationssystemen. Beschreibt die Integration von Beleuchtung, Heizung und Lüftung in eine gemeinsame Steuerarchitektur.

Hinweis zur GLT-Kopplung: Wenn Präsenzsensoren sowohl Beleuchtung als auch Heizung/Lüftung steuern, sind die Energieeinsparungen erheblich größer als bei reiner Beleuchtungssteuerung. Im Gebäudeaudit wird diese Kopplungsmöglichkeit explizit als Maßnahme ausgewiesen, da sie eine hohe Wirtschaftlichkeit bei moderatem Investitionsaufwand bietet.

Häufige Fragen zur Präsenzsteuerung

Der kP-Faktor (Präsenzfaktor) in der Beleuchtungsbilanz beschreibt, wie oft Beleuchtung trotz Abwesenheit von Personen brennt. kP = 1,0 bedeutet keine Regelung — die Leuchten laufen die gesamte Betriebszeit. kP = 0,8 entspricht manueller Schaltung mit häufigem Vergessen; kP = 0,6 einer automatischen Präsenzabschaltung; kP = 0,4 der optimalen Kombination aus Präsenz- und Tageslichtregelung. Jede Reduktion des kP-Wertes um 0,1 senkt den Beleuchtungsstrombedarf um exakt 10 %.
PIR-Sensoren (Passiv-Infrarot) eignen sich für Flure, Einzelbüros und Sanitärräume — sie erkennen Wärmestrahlung von bewegten Personen zuverlässig auf 6–10 m. HF-Sensoren (Hochfrequenz/Mikrowelle) können eingeschränkt durch Wände detektieren und eignen sich für Großraumbüros und Bereiche mit Sichtbarrieren; sie erkennen auch kleine Bewegungen (Schreiben an Tastatur). Ultraschall-Sensoren sind sehr feinfühlig und ideal für WC-Kabinen, wo PIR durch Trennwände geblockt wird.
Im Einzelbüro reduzieren Präsenzsensoren den Beleuchtungsstrombedarf um 40–55 %, in Fluren und Gängen um 60–75 %, in Sanitärräumen um 70–80 % und in Lagerhallen um 65–80 %. Im Großraumbüro sind 25–40 % realistisch, da dort häufig mehr Personen dauerhaft anwesend sind. Die Kombination mit Tageslichtregelung erhöht die Einsparung um weitere 15–25 Prozentpunkte und senkt den kP-Faktor auf 0,3–0,4.
Ja, die Kombination ist besonders wirtschaftlich: Licht wird nur dann eingeschaltet, wenn eine Person anwesend ist und es im Raum zu dunkel ist. Damit wird der kombinierte kA × kP-Wert auf 0,2–0,25 gesenkt — eine Einsparung von 75–80 % gegenüber ungeregeltem Betrieb. Die Mehrinvestition für einen kombinierten DALI-Sensor (150–300 € statt 50–120 € PIR) amortisiert sich typisch innerhalb von 2–3 Jahren über die höheren Energieeinsparungen.
Ja. Moderne DALI-Präsenzsensoren lassen sich über GLT-Protokolle wie KNX oder BACnet in die Gebäudeleittechnik integrieren. Ein Raum kann automatisch bei Präsenzmeldung auf Komfort-Temperatur und volle Lüftungsstufe geschaltet werden; bei Abwesenheit wird auf Absenkbetrieb zurückgeregelt. Im Gebäudeaudit wird diese Kopplungsstrategie explizit empfohlen, da die zusätzlichen Heizenergieeinsparungen von 15–30 % die Amortisationszeit weiter verkürzen.