In Büros und Gewerbegebäuden entfallen 20–50 % des Stromverbrauchs auf die Beleuchtung. Eine systematische Bilanzierung deckt Einsparpotenziale auf und bewertet Maßnahmen wirtschaftlich.
Für jede Bilanzone eines Gebäudes wird der elektrische Energiebedarf für Beleuchtung aus vier Parametern ermittelt. Der Auditor erhebt die installierte Technik vor Ort und setzt die Zonenkennwerte gemäß Nutzungsprofil an.
Beispiel: Bürozone 200 m², P_inst = 12 W/m², 2.500 h/a Nutzung, kA = 0,5 (Tageslichtregelung), kP = 0,7 (manuelle Schaltung). Ergebnis: 12 × 2.500 × 0,5 × 0,7 ÷ 1.000 = 10,5 kWh/(m²a). Ohne jede Regelung (kA = 1, kP = 1) wären es 30 kWh/(m²a) — dreimal mehr.
Die erforderliche Beleuchtungsstärke nach DIN EN 12464-1 und die eingesetzte Lampentechnologie bestimmen gemeinsam die notwendige installierte Leistung. Moderne LED-Anlagen senken P_inst gegenüber Leuchtstofflampensystemen um 50–60 %.
| Raumtyp | Sollwert [lx] | Leuchtstofflampe [W/m²] | LED [W/m²] |
|---|---|---|---|
| Büroarbeitsplatz | 500 | 15–20 | 6–10 |
| Konferenzraum | 500 | 15–18 | 7–10 |
| Flur / Gang | 100–200 | 6–10 | 2–5 |
| Lager / Keller | 100–200 | 5–8 | 3–5 |
| Ausstellungsfläche | 300–500 | 20–30 | 10–15 |
| Produktion (Feinarbeit) | 750–1.500 | 30–50 | 15–25 |
Werte gelten für Direktbeleuchtung. Indirekte Systeme und hohe Raumhöhen erfordern höhere Werte; Tageslicht und Spiegelreflexion können die Anforderungen reduzieren.
Die Lichtausbeute in Lumen pro Watt (lm/W) ist der zentrale Effizienzindikator für Beleuchtungstechnik. Aktuelle LED-Systeme übertreffen Leuchtstofflampen um Faktor 1,5 bis 2 und Glühlampen um Faktor 10 bis 15.
Systemlichtausbeute inkl. Vorschaltgerät. Glühlampen und viele HQL-Typen sind vom europäischen Markt verschwunden; verbleibende Bestände in Altanlagen sind vorrangige Austauschkandidaten.
Der Stellenwert der Beleuchtung im Gesamtenergieprofil eines Gebäudes variiert je Nutzungsart erheblich. Im Handel mit langen Öffnungszeiten und intensiver Warenpräsentation ist sie der größte einzelne Stromposten.
Unterschiedliche Nutzungszonen in einem Gebäude haben verschiedene Beleuchtungsanforderungen, Betriebszeiten und Tageslichtversorgung. Jede Zone wird deshalb separat bilanziert — dies ist Voraussetzung für eine realitätsnahe Gesamtbilanz.
500 lx, 8–10 h/Tag, gute Tageslichtversorgung möglich, hohe Einsparpotenziale durch kA und kP
100–200 lx, bis 16 h/Tag, geringer Tageslichtanteil, hohe Einsparung durch Präsenzsensoren
100–200 lx, bedarfsgesteuert, kP = 0,2–0,4 durch Sensorabschaltung erreichbar
100 lx, kurze Nutzungsdauer, PIR-Sensor mit kurzer Nachlaufzeit besonders effektiv
300 lx, Spitzenlast zu Pausenzeiten, in Nebenzeiten stark dimmbar
300–1.500 lx je Sehaufgabe, oft 3-Schicht-Betrieb, Tageslicht über Sheddächer nutzbar
Beleuchtungsmaßnahmen werden in einer bewährten Prioritätsreihenfolge abgearbeitet: Erst werden passive und regelungstechnische Potenziale ausgeschöpft, dann folgen Investitionen in neue Leuchttechnik.
Reinigung der Verglasungen, Entfernung innenliegender Verdunkelungshindernisse, Einsatz von Lichtlenksystemen. Der Tageslicht-Anpassungsfaktor kA steigt, sodass die künstliche Beleuchtung seltener zugeschaltet wird. Investitionsarme Einstiegsmaßnahme mit sofortiger Wirkung.
kA von 0,3 auf 0,6 → −50 % StromInstallation von PIR- oder HF-Sensoren in Fluren, Sanitärräumen und Einzelbüros. Die Beleuchtung schaltet automatisch ab, wenn keine Person anwesend ist. Amortisationszeit oft unter 3 Jahren — hoher Return on Investment.
kP von 1,0 auf 0,6 → −40 % StromAustausch von T8/T5-Leuchtstofflampen oder HQL-Dampflampen gegen moderne LED-Systeme. Halbiert die installierte Leistung P_inst bei gleicher oder besserer Beleuchtungsqualität; Lebensdauer steigt auf 50.000 h gegenüber 16.000 h bei T8.
P_inst −50–65 % gegenüber T8DALI-gesteuerte Systeme regeln den Lichtstrom der LED-Leuchten automatisch auf den Sollwert. Sie berücksichtigen Tageslichteinfall (kA) und Personanwesenheit (kP) gleichzeitig — die maximale Einspartiefe. Optimal für Neuanlagen und Komplettsanierungen.
kA × kP bis 0,25 erreichbar